Wir wollen ständig besser werden

Wie die GIZ sicherstellt, dass ihre Projekte erfolgreich sind, erklärt Ricardo Gomez, Leiter der Stabsstelle Evaluierung.

Ricardo Gomez leitet die Stabsstelle Evaluierung.

Am Ende jedes Projekts steht für uns die Frage: Was haben wir erreicht – und was müssen wir in Zukunft womöglich noch besser machen? Evaluierungen, also unabhängige Einschätzungen von Experten, sind dabei ein wichtiger Kompass.
Zum Beispiel Jordanien: ein extrem trockenes Land. Nur vier Prozent der Fläche sind kultivierbar, nur ein Prozent besteht aus Wald. Schäden des Bodens, etwa durch wilde Müllkippen, heilen nicht von selbst. Die 6,5 Millionen Einwohner haben 1,5 Millionen syrische Flüchtlinge aufgenommen. Das bringt zusätzliche Herausforderungen, auch an die Müllentsorgung. Die GIZ fördert im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung das Umweltbewusstsein. Mitglieder des Königshauses klärten die Menschen auf, es gab eine Kampagne zum Recycling.

In der Evaluation stellte sich aber heraus, dass die Wirkung begrenzt war. Die Aktionen hatten einen lokalen Fokus und endeten mit dem Projektabschluss. Es ging also darum, die Kampagne zu verstetigen: Eine Recyclingstation in der Provinzhauptstadt Karak wurde errichtet, die nun als Modell für andere Kommunen dient. Eine Firma, die Eierkartons herstellt, kauft das gepresste Altpapier. In Naherholungsgebieten, die bei Familien für Picknicks beliebt sind, wurden Müllcontainer und Schilder aufgestellt. Die Ranger achten auf die Einhaltung der Regeln. Die nationale Kampagne arbeitet mit Jordaniern und Flüchtlingen zusammen, die gegen kleinen Lohn Müll sammeln und sortieren. Auf ihren Arbeitswesten werben sie für eine saubere Umwelt. So werden zwei Millionen Menschen erreicht.

Transparenz gegenüber Auftraggebern und Öffentlichkeit

Das Beispiel zeigt: Evaluierungen sind für uns unverzichtbar – in neuen Arbeitsfeldern wie in klassischen Projekten. Erstens liefern sie eine Basis für Entscheidungen – etwa da­rüber, mit welchen Schwerpunkten ein Projekt weiterlaufen soll. Zweitens schaffen sie Transparenz gegenüber Auftraggebern und der Öffentlichkeit. Drittens unterstützen sie das Lernen unserer Organisation: Die Ergebnisse nützen anderen Projekten.Externe Gutachter, die wir per Ausschreibung finden, führen die Evaluierungen durch. Das können sowohl Einzelpersonen als auch Mitarbeiter von Beratungsfirmen sein. Sie brauchen Erfahrung mit den Methoden und dürfen nicht schon bei der Planung des Projekts beraten haben.

In einem Anfangsbericht halten die Gutachter die Fragen fest, die die Evaluierung beantworten soll. Zum Beispiel: Erreichen wir unsere Zielgruppe? Sind die positiven Wirkungen von Dauer? Stehen die Ziele im Einklang mit der Politik des Partnerlandes? Der Bericht nennt auch die ausgewählten Methoden, etwa Interviews oder Workshops mit Mitarbeitern, Partnern und Menschen, die von dem Projekt profitieren. Bei einem zweiwöchigen Besuch im Land ermitteln die Gutachter die Daten für den Abschlussbericht.

Ergebnisse künftig im Internet abrufbar

Nicht alle Projekte werden extern evaluiert, der Aufwand wäre zu hoch. Wir ziehen eine Zufallsstichprobe, mit der wir einen Deckungsgrad von 30 bis 50 Prozent erreichen. Jedes nicht evaluierte Projekt wird intern geprüft oder einer Verlaufskontrolle unterzogen. Damit liegen wir im Vergleich zu ähnlichen Organisationen ganz oben. Die Ergebnisse kann künftig jeder im Internet abrufen.

Zudem führen wir unternehmensstrategische Evaluierungen durch. Vor einiger Zeit haben wir unser Management von Sicherheitsrisiken in den Blick genommen. Die Hälfte der Länder, in denen wir arbeiten, leidet unter Naturkatastrophen, Terrorangriffen oder Gewaltkriminalität. Die Evaluierung trug dazu bei, dass eine Stabsstelle eingerichtet wurde, in der die GIZ ihr Wissen zum Krisenmanagement und zur Sicherheitsvorsorge zusammenführt. So wirkt Evaluierung.

aus akzente 2/17

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