Ohne Vielfalt keine Entwicklung

Schutzgebiete sichern die Lebensgrundlagen des Menschen. Wie die GIZ dazu beiträgt, erklärt Kirsten Probst, zuständig für Biodiversität.

Kirsten Probst  ist bei der GIZ zuständig

Warum ist Biodiversität überhaupt wichtig?
Der Mensch verändert Lebensräume schnell und großflächig, auch in den entlegensten Winkeln der Erde. Hinzu kommen Umweltverschmutzung und Klimawandel. Das gefährdet die Lebensgrundlagen, denn funktionierende Ökosysteme liefern sauberes Wasser, bieten Raum für Naturtourismus, Schutz gegen Überflutungen und Erdrutsche, und vieles mehr.

Wie lässt sich der Verlust der Vielfalt stoppen?
Lösungen müssen an vielen Punkten ansetzen. Eine wichtige Strategie ist die Einrichtung von Schutzgebieten. Diese Gebiete können ganz unterschiedlich gestaltet sein – die Weltnaturschutzunion hat sechs Kategorien entwickelt: Diese reichen vom strikten Wildnisgebiet, wo menschliche Einflüsse außen vor bleiben sollen, bis hin zu Ressourcenschutzgebieten für ein nachhaltiges Management natürlicher Ökosysteme.

Schwerpunkt auf Afrika

Wie engagiert sich die GIZ?
Es gibt rund 50 Projekte, mit denen die GIZ Partner zum gebietsbezogenen Naturschutz berät. Unser Auftraggeber ist in vier von fünf Fällen das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, bei jedem fünften Projekt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau- und Reaktorsicherheit. Etwa die Hälfte des finanziellen Engagements entfällt auf Afrika, jeweils ein Viertel auf Asien beziehungsweise Lateinamerika und die Karibik. Partner in den Ländern sind meist die Umweltministerien und nachgeordnete Behörden sowie Lokalregierungen. Zudem spielen auch private Partner eine Rolle, etwa aus Landwirtschaft und Fischerei. Darüber hinaus arbeiten wir mit lokalen und internationalen Nichtregierungsorganisationen zusammen.

Wo genau setzt die GIZ an?
In vielen Fällen beraten wir nationale Behörden bei der Weiterentwicklung ihrer Schutzgebietssysteme und bei rechtlichen und institutionellen Fragen. Darüber hinaus fördern wir in vielen Vorhaben die lokale Entwicklung im Umland der Schutzgebiete. Ein wichtiges Beispiel ist Brasilien: Das Land hat so viel Fläche unter Schutz gestellt wie kaum ein anderes – fast 1,6 Millionen Quadratkilometer. Die GIZ hat Brasilien zum Beispiel dabei unterstützt, Finanzierungskonzepte zu entwickeln und einen Ausbildungsgang für das Management von Schutzgebieten einzurichten.

70 Länder werden erreicht

Was hat das Engagement bewirkt?
Wir erreichen mit den Projekten mehr als 70 Länder. Eine Erhebung ergab, dass die GIZ zwischen 2010 und 2015 direkt oder indirekt dazu beigetragen hat, eine Schutzgebietsfläche von rund 2 Millionen Quadratkilometer zu erhalten. Das entspricht ungefähr der 5,5-fachen Fläche Deutschlands.

Wie binden Sie Anwohner der Schutzgebiete und indigene Gruppen ein?
Die GIZ vertritt die Überzeugung, dass der Erhalt von Biodiversität durch Schutzgebiete nur möglich ist, wenn die lokale Bevölkerung in alle Entscheidungen eingebunden wird und ihre Rechte und Werte berücksichtigt werden. Gerade die indigene Bevölkerung geht in den Schutzgebieten, die sich in vielen Fällen mit ihren Stammesgebieten überschneiden, oft traditionellen Wirtschaftsweisen nach und hat dort heilige Orte. Wir erarbeiten gemeinsam mit allen Beteiligten Lösungen, um Schutz und Nutzung zu vereinbaren. Falls Einkommensquellen durch die Errichtung eines Schutzgebietes verloren gehen, fördern wir alternative Erwerbsmöglichkeiten. Die Förderung von Achtung, Schutz und Wahrung der Menschenrechte insbesondere auch indigener Bevölkerungsgruppen ist ein wichtiges Leitprinzip der Arbeit der GIZ.

Wie fügt sich das deutsche Engagement in internationale Vereinbarungen ein?
Das Übereinkommen über die biologische Vielfalt ist der international verbindliche Rechtsrahmen. Wir unterstützen unsere Partner dabei, die Ziele der Konvention umzusetzen: Bis 2020 sollen 17 Prozent der Land- und Binnenwassergebiete und 10 Prozent der Küsten- und Meeresgebiete auf der ganzen Welt geschützt und gerecht verwaltet werden.

Interview: Helen Sibum

Juli 2018