„Brücke zur Industrialisierung“

Fassil Tadesse ist Geschäftsführer eines Textil­unternehmens und Präsident des Verbandes der Textil- und Bekleidungsindustrie in Äthiopien.

Fassil Tadesse, Geschäftsführer eines Textil­unternehmens und Präsident des Verbandes der Textil- und Bekleidungsindustrie in Äthiopien

Herr Tadesse, der Start Ihrer Textilfirma 2004 war holprig. Welchen Herausforderungen mussten Sie sich stellen?
Wir mussten Stoffe importieren, doch es war schwierig, sie in ausreichender Menge aufzutreiben. Unter anderem deshalb war unsere Produktivität zunächst gering.

Wie hat die GIZ Sie unterstützt?
Sie hat uns beispielsweise geholfen, die Fähig­keiten unserer Arbeiter weiterzu­entwickeln. Die GIZ holte Experten für Ausbildung aus Deutschland nach Äthiopien. Die Fachleute blieben vier Wochen, analysierten unsere Arbeitsabläufe und stellten Ziele für die Produktion auf. Wir haben dabei zum Beispiel gelernt, wie wir die Fertigungsstraßen am besten gestalten. Dadurch konnten wir unsere Effizienz erhöhen.

"Die GIZ hat uns an den internationalen Markt herangeführt"

Wie haben sich diese Veränderungen auf das Wachstum Ihres Unternehmens ausgewirkt?
Noch vor sieben Jahren haben wir etwa 20.000 Kleidungsstücke pro Monat gefertigt. Heute sind es 20.000 pro Tag. Die GIZ hat uns außerdem an den internationalen Markt herangeführt, wir haben heute auch Kunden aus Deutschland und den USA.

Die Löhne in Äthiopien sind niedriger als in Bangladesch und anderen Ländern mit großen Textilfabriken. Werden sie in den kommenden Jahren steigen?
Die Arbeiter lernen schnell, die Produktivität der Näherinnen wird in naher Zukunft sicher steigen und damit natürlich das Lohnniveau. Allerdings ist auch die Arbeitslosenquote in Äthiopien sehr hoch, so dass die Produktivität der Näherinnen wohl schneller nach oben gehen wird, als ihre Löhne es tun.

"Viele Jobs und ein großes Wachstumspotenzial"

Die GIZ plant, den Bau von Unterkünften für Arbeiter zu organisieren. Warum ist es nötig, dass sich auch Arbeitgeber um bessere Wohnverhältnisse für Angestellte kümmern?
Ein einfacher äthiopischer Arbeiter kann sich normalerweise keine eigene Wohnung leisten. Doch in einem Wohnheim, unterstützt durch die Arbeitgeber, wäre das möglich, zum Beispiel in einem Mietkauf-Modell.

Warum fördert die äthiopische Regierung gerade die Textilindustrie so stark?
Weil sie Äthiopiens Brücke zur Industrialisierung ist. Es gibt in diesem Sektor sehr viele Jobs und ein besonders hohes Wachstums­potenzial. Zudem ist die Textilindustrie äußerst wettbewerbsorientiert, so dass sich jungen Managern in diesem Bereich exzellente Möglichkeiten bieten. Es wird eine neue Generation von jungen Unternehmern heranwachsen, die eine wichtige Rolle bei der künftigen Entwicklung unseres Landes spielen kann. Durch den Aufbau eines starken Textilsektors werden wir Äthiopien innerhalb sehr kurzer Zeit entwickeln.

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