Marokko
Jobchance Arganöl
Ein Besuch bei der Kooperative Akkain Ouargane im Südwesten Marokkos ist ein Erlebnis für die Sinne: Rund 50 Frauen in bunt gemusterten Schleiern sitzen in einer Produktionsstätte auf dem Boden und knacken mit einem Stein Argannüsse auf. Jede der Frauen produziert auf diese Weise ungefähr ein Kilo Kerne am Tag. Um sich die Arbeit zu erleichtern, singen sie alte Berberlieder.
Im Hof werden die Kerne weiterverarbeitet: Andere Frauen fertigen daraus in aufwendiger Handarbeit Öl und Amlou, ein süße Paste mit Honig. In einem modernen Maschinenraum produziert die Kooperative zudem größere Mengen Kosmetik- und Speiseöl in kürzerer Zeit. Nach einem Rundgang haben Besucher die Möglichkeit, die Produkte der Kooperative direkt von den Herstellerinnen zu erwerben. So profitieren beide Seiten: Die Touristen gewinnen Einblick in eine uralte Tradition und die Kooperative verdient Geld.
Eine neue Vermarktungsstrategie trägt Früchte
„So gewinnbringend war der Verkauf von Arganöl hier nicht immer“, erinnert sich die Geschäftsführerin Jamila Raissi. „Früher haben die Frauen von zu Hause und per Hand die Nüsse verarbeitet. Ihre Männer haben dann versucht, das Öl am Straßenrand und in den Souks – den Wirtschaftsvierteln – zu verkaufen.“ Das brachte aber nicht genug Geld ein. Also beschlossen die Frauen, eine Kooperative zu gründen, um die Vermarktung zu erleichtern.
2007 hatten sie alle Papiere für die Gründung zusammen. Die gelernte Buchhalterin Raissi half der Kooperative, erste Strukturen und Abläufe einzuführen. Seit 2013 unterstützt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH den Zusammenschluss im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Das Projekt ist Teil der BMZ-Sonderinitiative zur Stabilisierung und Entwicklung in Nordafrika und dem Nahen Osten. Es fördert unter anderem Beschäftigungs- und Einkommensmöglichkeiten durch nachhaltigen Tourismus im ländlichen Raum.
Vernetzt mit Hotels und Tour-Anbietern
Die GIZ berät lokale Partner dabei, das touristische Angebot auszuweiten und attraktiver zu gestalten. Dazu gehören Naturerlebnisse, kulturelle Programme und hochwertige Naturprodukte, wie das Arganöl der Kooperative Akkain Ouargane. Die GIZ finanzierte Röstmaschinen, Ölpressen, Filter und Füllgeräte, die die Ölproduktion erheblich verbessern und den Ertrag steigern. Durch technische und unternehmerische Weiterbildungen konnten sich die Frauen um Raissi professioneller aufstellen und ihre Vermarktungsstrategie verfeinern. Die Kooperative nahm an internationalen Messen teil und vernetzte sich innerhalb der Region mit dem Hotelgewerbe und mit Reiseanbietern für Ökotourismus. „Der Umsatz ist seitdem um 50 Prozent gestiegen“, sagt GIZ-Experte Julien Césana, der mit seinem Team die Entwicklung der Kooperative begleitet.
Akkain Ouargane bedient neben der örtlichen auch die steigende nationale und internationale Nachfrage nach Arganöl. Die 72 Frauen, die für die Kooperative arbeiten, können ihre Arbeitszeit frei einteilen. Mit den Einkünften tragen sie zum Einkommen ihrer Familie bei. Eine große Errungenschaft, denn gerade in den ländlichen Gebieten Marokkos gibt es für sie kaum Arbeit. Viele sind nur wenige Jahre zur Schule gegangen, die meisten hatten nie einen festen Job. Inzwischen haben sich die Frauen von Akkain Ouargane mit anderen Frauenkooperativen zur Interessengemeinschaft „Ethical Women Tifane“ zusammengeschlossen. Sie vertritt 350 Frauen und wird die gewinnbringende und faire Vermarktung des Arganöls weiter fördern.
März 2018
VOM TOURISMUS PROFITIEREN
Projekt: Nachhaltiger Tourismus zur Beschäftigungs- und Einkommensförderung im ländlichen Raum
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Politischer Träger: Marokkanisches Hochkommissariat für Gewässer und Wälder
Laufzeit: 2015 bis 2020