Interview

„Wir verfolgen dasselbe Ziel: Ernährungssicherheit in Timbuktu“

Interview mit Ulla Santara, Projektleiterin bei der Welthungerhilfe in Mali.

Text
Katrin Gänsler

Frau Santara, die Welthungerhilfe arbeitet in der Region Timbuktu mit der GIZ und der Organisation „Action contre la Faim“ – ACF – zusammen, um die Ernährungssituation zu verbessern. Wie funktioniert diese Zusammenarbeit?
Die GIZ ist der Kopf des Projekts zur Ernährungssicherheit und Stärkung der Resilienz. Dazu gibt es zwei Arme: einmal die Organisation „Action contre la Faim“, die sich um Weidewirtschaft kümmert, und uns. Die Welthungerhilfe ist in den Bereichen Gemüseanbau und Ernährung tätig. So sind die Aufgaben gut verteilt.

Wie entwickeln sich in dieser Konstellation Synergien?
Es sind gute Kontakte entstanden. Beispielsweise haben wir einen Mitarbeiter zu ACF geschickt. Er hat sich angeschaut, wie sich die Weidewirtschaft verbessern lässt. Dieses Wissen haben in unsere Arbeit einfließen lassen. Im Rahmen des aktuellen Projekts tauschen uns alle drei Monate über Probleme und Erfolge aus und schauen, welche Ansätze übernommen werden können. Wir verfolgen dasselbe Ziel: Ernährungssicherheit in Timbuktu. Alle bringen einen großen Erfahrungsschatz ein.

Und alle lernen voneinander?
Auf jeden Fall. ACF und die Welthungerhilfe sind eher praktisch tätig. Damit können wir viel Input für neue Studien geben. Dafür hat die GIZ mehr Möglichkeiten. Das sind beispielsweise Studien über Ernährungssicherheit.

Ulla Santara

Welche Rolle spielen Kontakte vor Ort?
In der Region Timbuktu haben wir bereits Programme zur Weidewirtschaft, Brunnenbau und Gemüseanbau durchgeführt und verfügen über viele Kontakte zu staatlichen Stellen. Zudem arbeiten wir schon lange mit unserem nationalen Partner, der Association Malienne Pour La Survie au Sahel, zusammen. Diese Nichtregierungs-Organisation ist in der Region Timbuktu sehr verankert, was enorm wichtig ist.

Auch der Klimawandel ist eine große Herausforderung in Mali.
Ja, er betrifft uns sehr stark. Die Regenzeit ist normalerweise von Mitte Juni bis Ende September. Inzwischen fängt sie später an und ist auseinandergerissen. 2020 setzte zum Beispiel nach anfänglichem Regen wieder eine einmonatige Trockenheit ein, die das Saatgut beschädigte. Dann war der Regen wiederum so stark, dass alles überschwemmt wurde. Mit mehr Regen stieg auch der Wasserspiegel des Niger-Flusses enorm, was zu Überschwemmungen führte, wie auch schon im Jahr zuvor. Das hatte zur Folge, dass Gärten zerstört wurden und Menschen ihre Häuser verloren.

Wie kann die Bevölkerung gestärkt werden?
Die Wasserversorgung in den Gärten muss sichergestellt werden, damit die Menschen statt wie bisher nur von November bis März das ganze Jahr über anbauen können. Dafür müssen die Brunnen tiefer gebaut werden. Auch braucht es Solarenergie, damit man nicht aus 30 bis 50 Meter Tiefe das Wasser manuell schöpfen muss. Zusätzlich vermitteln wir Methoden, wie man auch in der heißen Zeit und in der Regenzeit anbauen kann.

Bei schweren Überschwemmungen beispielsweise, muss schnell gehandelt werden. Ist das in der Abstimmung von drei Organisationen überhaupt möglich?
Es gibt einen Fonds, der unbürokratisch in Notsituationen angezapft werden kann. So konnten wir  Mitte Dezember 2020 verhindern, dass in Timbuktu ein Damm brach und die Fluten 470 Hektar Reisfelder vernichteten. Wir konnten binnen 24 Stunden die Situation retten.

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