Interview

„Die Kinder sind seltener krank“

Interview mit der Ärztin und Ernährungswissenschaftlerin Fatimata Koné aus Mali. Sie arbeitet bei der Welthungerhilfe, die in Mali Projektpartner der GIZ ist.

Text
Katrin Gänsler

Frau Koné, Sie haben von 2014 bis 2017 in Timbuktu gelebt. Was haben die Menschen dort damals gegessen?
Es war vor allem Getreide und Fleisch. Frisches wie Obst und Gemüse hat man kaum auf den Märkten gefunden. Das gab es nur, wenn es aus dem Süden über den Niger nach Timbuktu gebracht wurde.

Was waren die Folgen?
In Timbuktu sah man sehr viele Menschen, die übergewichtig waren. Gleichzeitig waren sie mangelernährt. Sie haben vor allem Fleisch und Fett gegessen, um zuzunehmen, was ein Ausdruck von Wohlstand ist. Und die Region teilt eine Grenze mit Algerien, wo Süßes sehr populär ist. Doch auch das ist ungesund für den Körper. Denn der Organismus braucht Produkte mit hohem Nährwert, Vitamine und Mineralsalze.

Hat sich das Nahrungsangebot inzwischen verbessert?
Ja, heute gibt es Gemüse und sogar Früchte in der Region um Timbuktu. Das liegt auch an verschiedenen Initiativen der Regierung, von nichtstaatlichen sowie internationalen Organisationen für bessere Ernährungssicherheit. Sie zeigen, was sich alles anbauen lässt und wie es zubereitet wird.

Fatimata Koné

Die GIZ arbeitet in der Region mit der Welthungerhilfe zusammen. Was konnten sie gemeinsam erreichen?
Im Gemeinschaftsprojekt der GIZ und der Welthungerhilfe haben wir ein großes Augenmerk auf Nutzgärten gelegt. Viele Frauen hatte zwar schon vorher Nutzgärten, aber die Wasserversorgung hat oft nicht funktioniert. Außerdem konnten sie nicht das ganz Jahr über die Gärten bestellen. Mit viel Ausbildung und Unterstützung hat sich das geändert. Verbessert hat sich auch die Struktur der Gärten.

Welche Gemüsesorten wurden eingeführt?
Eine Variante der Süßkartoffel mit orangem Fruchtfleisch sowie Kürbisse, die viel Vitamin A haben. Zudem haben wir die Frauen darüber informiert, dass bestimmte Blätter ebenfalls gegessen werden können. Sie haben einen hohen Eisenanteil und ebenfalls viel Vitamin A. Zum Beispiel jene vom Baobab-Baum, den es im Norden gibt.

Bereiten die Frauen heute Obst und Gemüse auch anders zu als früher?
Ja. Die traditionelle Zubereitung einer Soße aus Fakoye, den Blättern der Pflanze Corchorus, zum Beispiel dauerte früher fünf bis sechs Stunden. Einen Nährwert hatte das fertige Gericht dann aber nicht mehr. Wir haben gezeigt, wie die Blätter schneller verarbeitet werden können. Das ist nicht nur gesünder, sondern spart auch Feuerholz. Ändern lässt sich das jedoch nicht von heute auf morgen. Die Umstellung braucht Zeit.

Gibt es mittlerweile eine sichtbare Verbesserung auch bei der Gesundheit der Menschen?
Die Frauen berichten uns, dass ihre Kinder seltener krank sind. Früher hätten sie oft an Durchfall und Malaria gelitten. Die Frauen sehen den Zusammenhang von guter Ernährung und Gesundheit. Wir haben bei unseren Untersuchungen zudem festgestellt, dass weniger Kinder mangelernährt sind.

Was ist für Sie das schöne Ergebnis des Projekts?
Unser gemeinsames Kochbuch. Jeden Monat haben wir uns mit Frauen aus mindestens 30 Dörfern getroffen. Wir haben über Nährwerte bestimmter Gemüsesorten gesprochen und erklärt, wie diese beim Kochen erhalten bleiben. Natürlich haben wir anschließend zusammen gekocht. Aus den Rezepten ist das Kochbuch entstanden, das 90 Prozent der Frauen, die an dem Projekt teilgenommen haben, nutzen. Mindestens 2800 Frauen kochen heute danach. Die Zubereitung ist einfach und praktisch, und das Nachkochen gelingt gut. Das Kochbuch ist aber vor allem deshalb so beliebt, weil die Frauen es selbst entwickelt haben.

Welches Rezept ist Ihr Favorit?
Es ist ein Gericht aus Kürbis mit orangem Fruchtfleisch. Kürbiscreme heißt es. Man gibt Milch und – wenn man möchte – etwas Zucker hinzu. Das ist auch in Timbuktu sehr beliebt.

April 2021

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