Überregional

Träume und Unsicherheit

Ob in Entwicklungs- oder Industrieländern: Überall suchen Jugendliche nach Perspektiven und Anerkennung. Gerade dort, wo Armut herrscht, lasten hohe Erwartungen auf den Jugendlichen.

Text
Uta Rasche

In einer Berufsschule in Kabul sitzt Muzhda Homa Bari mit drei Kolleginnen auf einem abgewetzten braunen Sofa. Die jungen Frauen strahlen. Sie haben sich herausgeputzt, Muzhda ganz besonders: enge blaue Jeans, eine taillierte schwarze Jacke und ein lose um den Kopf geworfenes schwarzes Tuch. Auch geschminkt ist Muzhda. Ihre Kolleginnen tragen – etwas traditioneller – lange Kleider oder Röcke, darunter blitzen Schuhe mit Absätzen hervor. Die Frauen haben im vergangenen halben Jahr eine Fortbildung für angehende Berufsschullehrerinnen absolviert. Heute bekommen sie ihre Zeugnisse. Zuvor haben sie selbst zwei Jahre lang eine Berufsschule besucht. Sie sind zwischen 20 und 22 Jahre alt, bald werden sie andere junge Frauen unterrichten. Rechnungswesen, Management und Buchführung haben sie gelernt.

Vor allem Mädchen ist der Zugang zu Bildung häufig noch erschwert. In Afghanistan wird er nach der Herrschaft der Taliban nur allmählich wieder möglich. (Foto: Sergey Ponomarev/laif)
Vor allem Mädchen ist der Zugang zu Bildung häufig noch erschwert. In Afghanistan wird er nach der Herrschaft der Taliban nur allmählich wieder möglich. (Foto: Sergey Ponomarev/laif)

Ihre Kenntnisse sollen sie nun weitergeben. Die vier angehenden Lehrerinnen gehören zur Bildungselite Afghanistans. Ihre Generation ist es, die das geschundene Land wieder aufbauen soll. Hohe Erwartungen liegen auf ihnen, und sie sind sich dessen bewusst. „Wir wollen unserem Land helfen“, sagt Muzhda.

Héctor Piedrafita wusste schon lange, dass er erst einmal sich selbst helfen muss. Der 25 Jahre alte Spanier sitzt im Esszimmer seiner Gastfamilie im hessischen Otzberg und lächelt. Er ist etwas schüchtern, die deutschen Worte wollen noch nicht so flüssig über die Lippen kommen, wie Héctor es gerne hätte. Seit August 2014 macht er eine Ausbildung zum Chemikanten bei der Firma Merck in Darmstadt. Dabei hat er bereits ein Diplom als Chemieingenieur in der Tasche. „Ich bin froh, dass ich diese Möglichkeit habe“, sagt er. In Spanien liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei rund 55 Prozent. Mehrere Schulfreunde von Héctor sind nach Großbritannien gegangen. Er hat sich für Deutschland entschieden. Seine Kommilitonen, die in Spanien geblieben sind, haben bisher nur Praktika und befristete, schlecht bezahlte Jobs gefunden. „Das war eigentlich schon während des Studiums klar“, sagt Héctor. „Es gibt in Spanien einfach keine Arbeit.“

Für eine gute Ausbildung einiges auf sich genommen

Mehr als 6.000 Kilometer liegen zwischen Muzhda und Héctor. So unterschiedlich ihre Länder auch sein mögen, ihre Lage ist ähnlich: Sie sind jung und voller Hoffnung. Sie haben für eine gute Ausbildung einiges auf sich genommen. Héctor hat seine Heimat verlassen, weil er dort keine berufliche Zukunft sah. Eine von Muzhdas Kolleginnen kommt aus Herat, am anderen Ende des Landes, mehr als eine Tagesreise mit dem Auto entfernt. Sie musste zu jeder Kurswoche einen Bruder, ihren Vater oder den Großvater mitbringen, damit sie überhaupt nach Kabul kommen konnte. Denn Frauen dürfen in Afghanistan nicht allein reisen. Weder Héctor noch Muzhda gehören zur „Jeunesse dorée“, die sich auf dem Wohlstand der Eltern ausruhen und ihre Zeit mit Vergnügungen verbringen könnte. Sie müssen aus eigener Kraft die Voraussetzungen dafür schaffen, dass sie eines Tages materiell abgesichert sind. Auch sie wollen, trotz schwieriger wirtschaftlicher Bedingungen, ihren Alltag meistern, ihre Existenz sichern und in Würde leben können.

Die Jugend als süße Phase freien Lebens mit wenigen Verpflichtungen und wenig Verantwortung kennt man vor allem in westlichen Industriegesellschaften – und auch dort nur in den gebildeten Schichten. Doch selbst inmitten des Wohlstands ist es für viele Heranwachsende schwer, einen Platz in der arbeitsteiligen Welt der Erwachsenen zu finden. So ist die Jugend für die meisten eine Zeit der Vorbereitung auf das Berufsleben, des Erwerbs von Qualifikationen und Eintrittskarten. Träume und Hoffnungen sind begleitet von Zweifeln. Die Zeit der ökonomischen Abhängigkeit wird für junge Erwachsene auch in vielen westlichen Ländern immer länger, gleichzeitig ist der Wunsch nach Selbstständigkeit groß. Das kann zur Belastung werden, für Eltern wie für Heranwachsende. In Südeuropa etwa ist die Jugendarbeitslosigkeit besonders hoch. Auch in Deutschland kennt die „Generation Praktikum“ die Unsicherheit aus prekärer Beschäftigung.

„Das Gefühl, dass mein Leben ewig währen könnte, dauerhafter als das Meer, die Erde und alle Menschen.“
Joseph Conrad in seiner Erzählung „Jugend“, 1902

Zugleich ist es immer wieder die Jugend, von der Veränderung ausgeht: In Deutschland brach die Studentenbewegung die intellektuelle und moralische Enge der Nachkriegszeit auf. In Ägypten und Tunesien zwangen Demonstranten die Autokraten Mubarak und Ben Ali zum Rücktritt. Viele von ihnen waren arbeitslose junge Frauen und Männer. Studenten standen an den Straßen und wedelten mit ihren Diplomen – so protestierten sie dagegen, dass sie trotz ihres Abschlusses keine Beschäftigung fanden. In Ägypten war es nicht nur die Wut auf den Sicherheitsapparat, auf fehlende Meinungsfreiheit und allgegenwärtige Korruption, die zu Massenprotesten führte. Hinzu kam Ärger über Engpässe bei der Versorgung mit Mehl und Brot sowie über die schlechte Qualität der öffentlichen Bildung. Steigende Preise und geringe berufliche Chancen sorgten für eine explosive Stimmung. Junge Erwachsene ohne wirtschaftliche Perspektive und deswegen häufig ohne Aussicht, eines Tages auf eigenen Beinen stehen und eine Familie gründen zu können, waren die Triebkräfte der „Arabellion“ in Ägypten.

"Youth bulge" als Ursache von Protesten

Auslöser der Proteste in der arabischen Welt war ebenfalls ein junger Mann: der tunesische Gemüsehändler Mohamed Bouazizi, 26 Jahre alt. Nach dem Tod seines Vaters ernährte er die Familie durch einen fahrenden Gemüsestand. Mehrmals vertrieb ihn die Polizei, weil er keine Genehmigung hatte, dann nahm sie ihm seine Ware und seine Waage weg. Er beschwerte sich bei der Stadtverwaltung – erfolglos. Im Polizeiarrest wurde er geschlagen. Aus Protest über diese Demütigungen steckte er sich in Brand. Seine Selbstverbrennung im Dezember 2010 wurde ein Fanal. Die Tat fand Nachahmer in Tunesien, Marokko, Algerien, Mauretanien und Ägypten. Forscher haben den „youth bulge“, den „Überhang“ an jungen Menschen, als eine Ursache der Proteste ausgemacht. Etwa zwei Drittel der Bevölkerung in den Ländern des Maghreb sind jünger als 30 Jahre. In einem wohlhabenden Land kann eine sehr junge Bevölkerung ein zusätzlicher Wachstumsimpuls sein. Wenn jedoch weder Ausbildungs- noch Arbeitsplätze in ausreichender Zahl verfügbar sind oder Lebensmittel knapp werden, entsteht daraus statt wirtschaftlicher Dynamik sozialer Sprengstoff. In den vergangenen 40 Jahren haben Ägypten, Tunesien und Marokko ihre Bevölkerungszahl verdoppelt, Libyen hat sie sogar verdreifacht.

90 % der Menschen im Alter von 10 bis 24 Jahren leben in Entwicklungsländern.

Weltweit suchen 75 Millionen Jugendliche eine Arbeit. Nach dem jüngsten Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation verschlechterte sich der Arbeitsmarkt für Jugendliche im Alter von 15 bis 24 Jahren zuletzt in fast allen Teilen der Welt. Ihre Arbeitslosenrate lag 2013 im Mittel dreimal so hoch wie die der Erwachsenen. Als Grund nennt die Internationale Arbeitsorganisation unter anderem die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise. Den größten Anstieg der Arbeitslosigkeit erlebten der Nahe Osten und Nordafrika. Etwa jeder Dritte ist dort ohne Job. Frauen haben es auf dem Arbeitsmarkt noch erheblich schwerer als Männer – und die Stellen, die sie finden, sind weniger qualifiziert und schlechter bezahlt.

Jugendarbeitslosigkeit in der Europäischen Union

Auch in der Europäischen Union stieg zuletzt die Zahl der Jugendlichen, die weder berufstätig waren noch eine Ausbildung absolvierten. Im Mai 2013 legten Deutschland und Spanien daher fest, dass in den folgenden vier Jahren 5.000 junge Spanier zur Ausbildung nach Deutschland kommen sollten. Einer von ihnen ist Héctor. Er fand das Programm der Bundesagentur für Arbeit über das Internet. Als die Zusage in seinen Briefkasten in dem Pyrenäendorf Villanúa flatterte, freuten sich seine Eltern und seine Freunde mit ihm. Rund 500 Menschen wohnen dort auf fast 1.000 Metern Höhe, sie leben vom Tourismus und von der Landwirtschaft. Héctors Mutter leitet eine Jugendherberge, sein Vater arbeitet bei einer Stadtreinigungsfirma.

Die Zukunft im Blick: Auf der Suche nach einer beruflichen Perspektive hat Héctor Piedrafita seine Heimat verlassen und ist nach Deutschland gezogen. Nun macht er eine Ausbildung bei der Firma Merck. (Foto: Dirk Ostermeier)
Die Zukunft im Blick: Auf der Suche nach einer beruflichen Perspektive hat Héctor Piedrafita seine Heimat verlassen und ist nach Deutschland gezogen. Nun macht er eine Ausbildung bei der Firma Merck. (Foto: Dirk Ostermeier)

Héctor wusste, dass er als Chemieingenieur ohnehin nicht in Villanúa bleiben konnte. Vor seiner Abreise nach Deutschland besuchte er in Saragossa drei Monate lang einen Sprachkurs. Nebenher machte er Praktika bei einem Autozulieferer, in einer Kläranlage und in einer Forschungseinrichtung. Zusammen mit vier anderen Spaniern arbeitet er jetzt bei Merck. „Wir wurden sehr herzlich aufgenommen.“ Das erste halbe Jahr wohnen die Lehrlinge in Familien von Merck-Angestellten. In einem vierwöchigen Vorkurs lernten sie schon einmal die Firma kennen. Héctor geht täglich schwimmen oder spielt abends mit Kollegen Volleyball. Über Skype und E-Mails hält er Kontakt zu Familie und Freunden. „Für Heimweh habe ich keine Zeit.“ Von Darmstadt aus will er demnächst nach und nach in die europäischen Hauptstädte reisen. Bisher fehlen ihm nur die Berge. Nach der Ausbildung möchte er in Deutschland bleiben und am liebsten als Ingenieur arbeiten.

„Ich bin froh, dass ich diese Möglichkeit habe. Es gibt in Spanien einfach keine Arbeit.“
Héctor Piedrafita

Für Muzhda in Kabul ist die Fortbildung zur Berufsschullehrerin nur ein Zwischenschritt. „Ich möchte gerne mehr arbeiten, nicht nur vormittags.“ Am liebsten hätte sie später eine Stelle bei einer Bank. Dafür studiert sie abends an einer privaten Hochschule, ihr Ziel ist der Bachelor. Für einen Master würde sie auch ins Ausland gehen – so weit führen afghanische Hochschulen nicht. Jobs im öffentlichen Sektor sind in Afghanistan nicht besonders gut bezahlt, aber immerhin komme der Lohn regelmäßig. Mit Hilfe internationaler Geber baut das Land gerade sein Berufsschulwesen aus. Bis 2020 sollen 20 Prozent eines Altersjahrgangs eine Chance auf berufliche Bildung erhalten, bisher sind es nur vier Prozent. Doch man muss sich eine Berufsschule in Afghanistan anders vorstellen als in Deutschland: Den Lehrern fehlen praktische Fähigkeiten, es gibt keine Lehrwerkstätten, viele Schulen haben nicht einmal Strom. Zusammenarbeit mit Betrieben ist ein Fremdwort. Deren technischer Stand bewegt sich meist ebenfalls auf niedrigstem Niveau. So kommt es, dass der Inhaber einer Autowerkstatt in Kabul sagt: „Wir können nur Autos bis Baujahr 1995 reparieren, danach machen wir ein Teil heil und drei andere kaputt.“

Berufliche Bildung kann Abhilfe schaffen

Muzhda kommt aus einer privilegierten Familie: Ihr Vater hat eine Stelle im Bildungsministerium, ihre Mutter ist Lehrerin. Mehr als zwei Drittel der Menschen in Afghanistan arbeiten in der Landwirtschaft. Muzhdas Eltern haben dafür gesorgt, dass sie auch während der Taliban-Zeit heimlich Unterricht hatte. Erst 2014 machten die ersten Mädchen ihren Schulabschluss, die seit dem Sturz des Taliban-Regimes zwölf Schuljahre lang relativ ungehindert lernen konnten. Auf die Dauer wird so die Analphabetenrate im Land sinken. Bisher ist sie eine der höchsten weltweit: Etwa die Hälfte der Männer und 90 Prozent der Frauen können nicht lesen und schreiben. Ausbildungsberufe entstehen mit internationaler Hilfe gerade erst.

Die afghanische Regierung steht diesen Aktivitäten sehr aufgeschlossen gegenüber. Denn sie sieht in besserer beruflicher Bildung auch eine Chance, Jugendliche vor den Lockrufen von Extremisten zu bewahren. Etwa eine Million Jugendliche verdingt sich als Tagelöhner. Wer aber technisches und kaufmännisches Wissen erwirbt und dazu noch Staatsbürgerkunde lernt, hat keinen Grund, sich den Taliban anzuschließen, so hoffen die Verantwortlichen. Sogar im Fernsehen schaltet das Bildungsministerium Werbung für berufliche Schulen.

So versucht Afghanistan genau das, was Georg Kerschensteiner in Deutschland Ende des 19. Jahrhunderts vorschwebte. Kerschensteiner, Münchener Stadtschulrat, ist einer der „Erfinder“ der deutschen Berufsschule, die damals noch Arbeitsschule hieß. Die Aussicht auf eine berufliche Zukunft, kombiniert mit politischer Bildung, sollte junge Männer vor „sittlicher Verwahrlosung“ schützen.

40 % der weltweit 197 Millionen Arbeitslosen im Jahr 2012 waren Jugendliche.

Was also lässt sich gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit tun? Auch in Europa stellen die unter 25-Jährigen inzwischen ein Drittel der Langzeitarbeitslosen. Das Bonner Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit sieht in ihnen die schwächste Gruppe auf dem europäischen Arbeitsmarkt: mit wenig Erfahrung, kaum unternehmensspezifischem Wissen und einem geringen Kündigungsschutz. Egal, ob in der Vergangenheit Rezession herrschte oder die Konjunktur brummte – sie hatten es immer schwerer als Ältere. Im August 2014 lag die Jugendarbeitslosigkeit im Durchschnitt der Eurozone bei 23 Prozent, in Deutschland allerdings bei weniger als acht Prozent.

Die engsten Freunde um sich und jede Menge Zeit: Gänzlich unbeschwert ist die Jugend allenfalls in manchen westlichen Industrieländern. (Foto: Getty Images/Carsten Görling)
Die engsten Freunde um sich und jede Menge Zeit: Gänzlich unbeschwert ist die Jugend allenfalls in manchen westlichen Industrieländern. (Foto: Getty Images/Carsten Görling)

Die recht stabile wirtschaftliche Lage erklärt diesen großen Vorsprung Deutschlands nicht allein. Es ist auch das duale System aus betrieblicher und schulischer Ausbildung – ein deutscher Exportschlager. Für ihre Studie „Education to Employment: Getting Europe’s Youth into Work“ von 2014 befragte die Unternehmensberatung McKinsey 5.300 Jugendliche, 2.600 Arbeitgeber und 700 Bildungseinrichtungen in acht europäischen Ländern: Frankreich, Deutschland, Griechenland, Portugal, Italien, Spanien, Schweden und Großbritannien. Es galt, die Qualität der beruflichen und universitären Bildung zu bewerten. Die Ergebnisse waren ernüchternd. Nur in Deutschland und Großbritannien gab es regelmäßige Absprachen zwischen Arbeitgebern und Bildungseinrichtungen. In allen anderen Ländern fehlte dieser Austausch. 74 Prozent der Berufsschulen und Hochschulen waren zudem davon überzeugt, dass ihre Absolventen gut auf den Arbeitsmarkt vorbereitet seien. Doch lediglich 35 Prozent der Arbeitgeber teilten diese Meinung.

Der Optimismus von Nobelpreisträgerin Malala Yousafzai

Arbeitslose Jugendliche kennen das niederschmetternde Gefühl, nicht gebraucht zu werden. Diese Erfahrung wirkt sich auf ihr ganzes weiteres Berufsleben aus, wie das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung herausfand: Jeder Tag als Jugendlicher in Arbeitslosigkeit führte im Schnitt zu einem weiteren Tag in Arbeitslosigkeit in späteren Jahren. Forscher aus Großbritannien berichten, dass 42 Jahre alte Menschen, die als Jugendliche arbeitslos waren, immer noch weniger verdienten als Gleichaltrige, die durchgehend Arbeit hatten. Es gibt also gute Gründe, jungen Menschen diese Erfahrung zu ersparen. Nur wie? Nach Ansicht von Arbeitsmarktforschern ist in vielen Ländern eine Reform der Berufsausbildung erforderlich. Bis die greift, empfehlen sie jungen Menschen, ihr Land zumindest übergangsweise zu verlassen, um dorthin zu gehen, wo es mehr Jobs gibt und wo die Ausbildung stärker den Anforderungen der Unternehmen entspricht – so wie Héctor es getan hat.

Trotz vieler Herausforderungen gibt es unter Jugendlichen immer wieder auch die Bereitschaft, sich in besonderem Maße zu engagieren. Sie sind mutig und begeisterungsfähig, manche haben einen ausgeprägten Sinn für Leid und Ungerechtigkeit. Einer dieser jungen Menschen ist Malala Yousafzai aus Pakistan. Sie ist die erste Jugendliche, der der Friedensnobelpreis zuerkannt wurde. Im Dezember 2014 erhielt sie ihn zusammen mit dem indischen Kinderrechtsaktivisten Kailash Satyarthi. Malala wurde zur Symbolfigur für den Kampf junger Frauen für ihr Recht auf Bildung: Weil sie sich dem Verbot, zur Schule zu gehen, widersetzte, schossen die Taliban sie in einem Schulbus nieder. Dabei wäre sie beinahe ums Leben gekommen, doch ihre Verletzungen wurden in Pakistan und im britischen Birmingham geheilt. Dort lebt sie heute mit ihrer Familie – und setzt sich weiterhin für das Recht von Mädchen auf Bildung ein. An ihrem 16. Geburtstag, im Juli 2013, hielt Malala eine Rede vor der Jugendversammlung der Vereinten Nationen. Sie rief darin zu einem weltweiten Kampf gegen Analphabetismus, Armut und Terrorismus auf. Bildung sei die stärkste Waffe dagegen: „Ein Buch, ein Stift, ein Kind und ein Lehrer können die Welt verändern.“ Mit ihrem Traum von einer besseren Zukunft hat die junge Frau viele Menschen angesteckt.

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Aus der Arbeit der GIZ

PARTIZIPATION

Projekt: Jugendbeteiligung auf kommunaler Ebene
Land: Tunesien
Auftraggeber: Auswärtiges Amt, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Politische Träger: Tunesisches Innenministerium, Tunesischer Städtetag, Kommunen
Laufzeit: 2012 bis 2017

Die GIZ fördert den Dialog zwischen Kommunen und Zivilgesellschaft. Hauptziele sind die Stärkung bürgerschaftlichen Engagements und die Öffnung der Kommunalverwaltung und -politik für Jugendliche.

 

BERUFSBILDUNG

Projekt: Technische Hilfe und Dienstleistungen beim Aufbau von Berufsbildungszentren für die Stammesjugend im Bundesstaat Gujarat
Land: Indien
Auftraggeber: Regierung von Gujarat
Laufzeit: 2010 bis 2015

GIZ International Services hat im Bundesstaat Gujarat fünf Zentren für Berufsbildung aufgebaut. Die dortige Ausbildung verbessert die soziale und wirtschaftliche Situation der jungen Angehörigen der Stammesbevölkerung. Die ersten Absolventen haben bereits Arbeit gefunden und erhalten einen deutlich höheren Lohn, als sie ohne die Ausbildung in einem der Zentren hätten erwarten können.

 

FACHKRÄFTE

Projekt: Förderung von Berufsbildung und Arbeitsmarkt
Land: Palästinensische Gebiete
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Politische Träger: Palästinensische Ministerien für Bildung, für Hochschulbildung, für Arbeit
Laufzeit: 2011 bis 2015

Die GIZ hat neue Strategien entwickelt, damit mehr junge Palästinenser dem Arbeitsmarkt der Region als Fachkräfte zur Verfügung stehen. Unter anderem wurden mehr als 500 Berufsberater qualifiziert. Die EU und die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit unterstützen das Projekt.

 

SPORT

Projekt: Förderung von Mädchen und jungen Frauen durch Sportangebote in Schulen
Land: Afghanistan
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Partner: Afghanischer Fußballverband
Laufzeit: 2013 bis 2015

In Kooperation mit dem Deutschen Fußball-Bund, nationalen Sportverbänden und dem afghanischen Bildungsministerium bildet die GIZ Sportlehrerinnen aus. Damit soll sich das Sportangebot für Mädchen verbessern. Bisher bietet der Schulalltag für sie keine regelmäßigen Bewegungsmöglichkeiten.

 

Weitere Beiträge zum Schwerpunkt

Wir sind viele

Infografik: Jugend

Nie zuvor gab es so viele junge Menschen auf der Welt.