Tschad

Die Saat geht auf

Im Tschad müssen Einheimische und Flüchtlinge mit wenig auskommen. Kostenlose Samen und Ausbildung sollen die Ernten verbessern.

Text und Fotos: 
Katrin Gänsler

Fatima Mahadi (30) hält einen großen, weißen Sack in den Händen, der ein wenig knistert. Die schmale Frau blickt zu Ahmat. Ihr kleiner Sohn schläft im Schatten eines Baumes. Mit dem Inhalt des Sacks wird die Mutter dafür sorgen, dass er und seine sechs Geschwister in den kommenden Monaten ausreichend zu essen haben. „Ich habe Saatgut für Honig- und Wassermelonen, Pfefferschoten und Sauerampfer bekommen“, sagt sie. „Ich hätte kein Geld gehabt, um das zu kaufen.“

 

Fatima Mahadi und ihr Sohn Ahmat

Familie Mahadi lebt in Karal, einem Dorf südlich des Tschadsees. Drei Hektar müssen das Überleben der neunköpfigen Familie sichern. Dazu kommt etwas Geld, das Fatima Mahadis Mann als Schneider in der Hauptstadt N'Djamena verdient. Doch diese Einnahmen sind nicht verlässlich, denn im Land herrscht eine schwere Wirtschaftskrise. Im Human Development Index der Vereinten Nationen steht der Tschad an drittletzter Stelle. Das jährliche Pro-Kopf-Einkommen liegt bei 776 Euro. Sobald man die Hauptstadt verlässt, fehlt es an Strom und Trinkwasser. Selbst Brunnen sind in ländlichen Regionen mitunter nur schwer erreichbar.

Spannungen mit Flüchtlingen verhindern

„Das Leben hier ist nicht einfach“, sagt Fatima Mahadi. Gerade hat sie mit ihrer Unterschrift bestätigt, dass sie das Saatgut von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH erhalten hat. Ziel des Projekts im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ist es, in sechs Regionen des Landes die Lebensmittelversorgung zu verbessern.  

 

Mit ihrer Unterschrift bestätigen die Frauen, dass sie das Saatgut erhalten haben.

Das kommt der lokalen Bevölkerung sowie Rückkehrern und Flüchtlingen zugute. So sollen Spannungen verhindert werden. Mit dem Sudan, der Zentralafrikanischen Republik, Libyen und Nigeria ist der Tschad von Krisenstaaten umgeben. Seit Beginn des gewaltsamen Darfurkonflikts im Jahr 2003 im benachbarten Sudan hat der Tschad mit seinen 14 Millionen Einwohnern rund 400.000 Flüchtlinge aufgenommen. Das kann schnell zu Konflikten um die ohnehin schon viel zu knappen Ressourcen führen.

Saatgut und Wissen für die Bäuerinnen

In Karal haben mehr als 70 Familien in der Anbausaison Ende 2017 Saatgut bekommen. Im ganzen Land waren es mehr als 2.500 Haushalte. Insgesamt profitieren 20.300 Personen. „Mit etwas Glück“, sagt Fatima Mahadi und lächelt vorsichtig, „reicht die Menge sogar für das kommende Jahr und somit für eine zweite Ernte.“ Damit könnte die junge Mutter ein weiteres Ziel erreichen: „Mein Wunsch ist es, als Händlerin zu arbeiten.“ 

 

Zara Mahamat hat bereits einmal erfolgreich geerntet.

Wie gut sich die erste eigene Ernte anfühlt, hat Zara Mahamat bereits erlebt. Sie wohnt in einer kleinen Siedlung, die einige Kilometer von Karal entfernt liegt, und hat vor einigen Monaten Samen erhalten. In ihrem Lehmhaus streift sie Maiskörner von den Kolben ab. „Mit der Ernte bin ich sehr zufrieden“, sagt die 48-jährige Mutter von sechs Kindern. Neben Mais hat sie Okraschoten und Sorghumhirse angebaut. 

Zara Mahamat freut sich nicht nur über das Getreide und Gemüse: „Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben so etwas wie eine Ausbildung bekommen.“ Die hat zwar nur drei Tage gedauert. Doch Mahamat hat gelernt, wie sie mit Knoblauch und Pfefferschoten schädliche Insekten bekämpfen kann und wie Kompost hergestellt wird. Das soll die Grundlage für ihr eigenes Unternehmen sein. Bisher hat die Alleinerziehende vor allem für andere Farmer gearbeitet und wurde tageweise bezahlt – eine große Unsicherheit für sie und ihre Kinder. Saatgut und Wissen sollen nun dafür sorgen, dass Zara Mahamat nicht nur Getreide und Gemüse für den eigenen Bedarf anbaut. Läuft die Ernte gut, kann sie künftig einen Teil davon verkaufen und so den Grundstock für ihr eigenes kleines Unternehmen legen.

Ansprechpartner: Rico Langeheine, rico.langeheine@giz.de