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Omar Alkadamani
Porträt

Fortschritt lernen

Als Kind ist Omar Alkadamani aus Syrien nach Deutschland geflohen. Er weiß genau, wie wichtig das UN-Nachhaltigkeitsziel 4 „Hochwertige Bildung“ ist – für ihn persönlich und für jedes Land, das eine bessere Zukunft anstrebt.

Text: Gemma Pörzgen

„Bildung ist der Schlüssel für alles“, sagt Omar Alkadamani. Davon ist der Syrer überzeugt, seit er 2017 mit gerade einmal zwölf Jahren aus der Kleinstadt Shaqqa im Süden des Landes mit seinem Vater in das sichere Deutschland kam. Seine Mutter und andere Verwandte waren aus dem Kriegsgebiet schon vorher ausgereist, so dass der Familiennachzug eine Übersiedlung nach Sachsen möglich machte.

Heute ist Omar 19 Jahre alt, lebt in Leipzig und hat gerade sein Abitur gemacht. „Ich habe schnell die Sprache gelernt. Wenn man reden kann, ist man auch nicht mehr fremd“, sagt Omar über die Anfänge in der neuen Heimat. Schon nach wenigen Wochen legte der Junge eine erste Sprachprüfung ab. Die Mittelschule ließ er schnell hinter sich und wechselte auf das Gymnasium. „Geschichte und Biologie haben mich immer besonders interessiert.“ Aber auch für seine Hobbys, Gitarre spielen oder die Oud, eine Variante der Laute, nahm er sich Zeit. Die Verbindung nach Syrien, zu Familienmitgliedern und Freunden, hat dank des Internets weiter Bestand. Omar fühlt sich heute in zwei Sprachen und zwei Kulturen zu Hause.

In der Schule war er Schülersprecher und begann sich ab 2019 auch in einer politischen Jugendorganisation zu engagieren. „Dort gab es eine starke Willkommenskultur“, sagt Omar. Sein Engagement hat er seither ausgeweitet, ist seit zwei Jahren im Jugendparlament der Stadt Leipzig aktiv und seit 2021 im Jugendbeirat des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) . „Inzwischen bin ich sogar Sprecher des Jugendbeirates.“ Seit neuestem ist Omar auch Teil des Jugendforums youpaN , in dem junge Leute daran mitwirken, den Nationalen Aktionsplan „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) umzusetzen. „Ehrenämter sind mein Hobby“, sagt Omar und lacht fröhlich.

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Omar Alkadamani

Omar Alkadamani (19) ist Sprecher des Jugendbeirats des BMZ.

Bildung als Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg

Weltweit könne man sehen, dass Bildung für den Erfolg eines Landes die wichtigste Rolle spiele, sagt Omar. „Es gibt kein Land, in dem Bildung vernachlässigt wird und das dennoch wirtschaftlich erfolgreich wäre.“ Gute Bildung lohne sich und zeige sich sogleich im Fortschritt. Wenn er Politiker wäre, würde er sich deshalb für ein einheitliches und kostenloses Bildungssystem stark machen. „Ein Bildungssystem, in dem Digitalisierung gefördert wird und soziale Freiräume bestehen.“

Das Internet half beim Lernen

Er selbst habe davon profitiert, sagt Omar, dass er aus einem Bildungshaushalt stamme. „Weil meine Mutter Lehrerin ist, wurde ich von klein auf gefördert“, sagt er. „Mir war Schule von Anfang an sehr wichtig.“ Das Internet habe ihm sehr geholfen, vor allem dabei, schnell Deutsch, aber später auch Englisch zu lernen. „Jeden Tag habe ich YouTube angeschaltet.“ Es habe ihm Spaß gemacht, Sprachen zu lernen, manchmal bis tief in die Nacht hinein.

Omar findet auch politische Bildung bereits im Unterricht wichtig. „Ich habe in der Schule viel über Demokratie und Grundwerte gelernt“, sagt er. „Im Ethikunterricht ging es um zwischenmenschliche Beziehungen und das Verhältnis zur Gesellschaft.“

Die Schule habe ihn stark geprägt. „Wenn ich von klein auf, beispielsweise als Schülersprecher, selbst mitentscheiden kann und das wirklich etwas bringt, dann engagiert man sich später auch als Erwachsener stärker“, ist Omar überzeugt. Wer früh politisch mitarbeite, für den sei es auch klar, bei Wahlen mitzumachen. „Genau deshalb denke ich, dass für die Schule als Lernort und als Alltagsort viel mehr getan werden muss.“

Es sei wichtig, dass Menschen sich nach der Schule für den Beruf entschieden, für den sie die besten Fähigkeiten mitbrächten und der ihnen Spaß mache, sagt Omar. Von seiner nahen Zukunft hat der 19-Jährige sehr genaue Vorstellungen. Er wird ab Oktober in Halle mit dem Studium der Biologie und Informatik beginnen.