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Dr. Danny Mvula Muanga Badila
3 Fragen an

„Infizierte gehen einen doppelten Leidensweg“

Drei Fragen an den kongolesischen Arzt Danny Badila zur Situation von mit Tuberkulose infizierten Gefängnisinsassen

Text: Sofia Shabafrouz Illustration: Julian Rentzsch

 DANNY BADILA 

Der Epidemiologe beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit der Gesundheitsversorgung in Gefängnissen. Bereits während seines Medizinstudiums setzte er sich für Inhaftierte ein. Nun wirkte er an einer vom Globalvorhaben „BACKUP Gesundheit“ unterstützten nationalen Strategie zur Bekämpfung von Tuberkulose und HIV in kongolesischen Gefängnissen mit.

Wie ist es zu Ihrem persönlichen Engagement für Gefangene gekommen?

Bereits als Medizinstudent mit Anfang 20 fragte ich mich, wie es wohl um die seelische und körperliche Gesundheit von Menschen im Gefängnis steht. Ich fing an, mir fremde Insassen zu besuchen, besorgte ihnen Brot oder Zucker. Seither vergeht kein Tag, an dem ich nicht an sie denke. Ich trat einer Gruppe bei, die sich für Inhaftierte engagierte. Gemeinsam gründeten wir 2018 die Nichtregierungsorganisation Health for Prisoners, um uns für bessere Gesundheitsdienste, gute Haftbedingungen und Menschenrechte in Strafanstalten einzusetzen. Ich verbringe so viel Zeit mit den Insassen, dass ich mich oft wie einer von ihnen fühle.

Warum müssen die Gefängnisse in Ihrem Land besser auf den Kampf gegen Tuberkulose ausgerichtet werden?

Trotz der Bemühungen der Regierung und ihrer Partner gehen infizierte Gefängnisinsassen den doppelten Leidensweg – die Haft und die Krankheit. Die meisten Haftanstalten hierzulande stehen vor großen Herausforderungen bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten wie Tuberkulose, HIV/Aids oder Krätze, aber auch nicht übertragbaren Krankheiten. Hinzu kommen Haftbedingungen, die eine Verbreitung und den schweren Verlauf dieser Krankheiten begünstigen: Mangelernährung, überfüllte Zellen, zu wenig Platz, Licht, Betten und Bekleidung, schlechte Belüftung und unhygienische Zustände. Oft werden an Tuberkulose erkrankte Häftlinge unter besorgniserregenden Haftbedingungen isoliert, was auch ihren Anspruch auf Besuch und rechtlichen Beistand einschränkt. Somit gehören sie zu den vulnerabelsten Personen, für die dringend etwas getan werden muss.

„Häftlinge gehören zu den vulnerabelsten Personen, für die dringend etwas getan werden muss.“

Dr. Danny Mvula Muanga Badila
Epidemiologe

Was soll die neu verabschiedete nationale Strategie bewirken, an der Sie und die GIZ beteiligt waren?

Die Strategie ist Teil eines nationalen Plans zur Bekämpfung von Tuberkulose und HIV. Infizierte Gefangene sollen so besseren Zugang zu integrierten Gesundheitsdienstleistungen bekommen. Die Strategie soll mit Mitteln des Globalen Fonds zuerst in 9 von insgesamt 26 Gefängnissen umgesetzt werden. Zusammen mit der GIZ haben ein Kollege und ich überdies die Gesundheitsdienste in Gefängnissen bewertet und konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet. Gefängnisse brauchen geschultes Personal, die richtigen Geräte und ein zuverlässiges Testverfahren bei Aufnahme und Entlassung von Gefangenen. Außerdem sollen Gesundheits- und Justizministerium enger zusammenarbeiten. Dann würde sich die Krankheit innerhalb und außerhalb der Gefängnisse weniger verbreiten.

Zum Hintergrund

Die Demokratische Republik Kongo ist eines von 30 weltweit am schwersten von Tuberkulose betroffenen Ländern. Das Ministerium für öffentliche Gesundheit hat „BACKUP Gesundheit“ bei seiner nationalen Strategie zur Bekämpfung von Tuberkulose und HIV in Gefängnissen für eine Bestandsaufnahme und einen systematischen Maßnahmenplan einbezogen. „BACKUP Gesundheit“ berät im Auftrag des BMZ weltweit staatliche und zivilgesellschaftliche Organisationen dabei, Finanzierungen zur Stärkung von Gesundheitssystemen einzusetzen, mit einem besonderen Fokus auf Gender und Menschenrechten. Diese Maßnahme wird vom britischen Foreign, Commonwealth and Development Office finanziert.