Unverzichtbare Partner

Bei der Unterstützung von Flüchtlingen arbeitet die GIZ mit NROs zusammen. Martha Gutierrez über die Kooperation.

 

Vera Scholz lheads up GIZ’s Climate Change, Environment and Infrastructure Division.

Martha Gutierrez leitet die Abteilung Governance, Krisenmanagement und Bauen.

Als Zehntausende Jesiden vor dem „Islamischen Staat“ aus Sindschar im Nordi­rak flohen, kamen viele von ihnen zunächst in verlassenen Rohbauten unter. Um die Gebäude schnell winterfest zu machen, arbeitete die GIZ mit der Deutschen Welthungerhilfe zusammen. Sie baute Türen und Fenster aus Kunststoff ein, so dass die Betonskelette bewohnbar wurden. 

Der zügige Umbau ist ein gutes Beispiel dafür, wie erfolgreich die GIZ bei der Unterstützung von Flüchtlingen mit Nichtregierungsorganisationen (NRO) kooperiert. Gerade im Nordirak, wo wir im Auftrag der Bundesregierung arbeiten, gibt es eine enge Kooperation mit deutschen, internationalen und lokalen NRO. Neben der Welthungerhilfe zählen dazu das Forum Ziviler Friedensdienst, Medica Mondiale und Harikar. Diese irakische Organisation etwa ist besonders gut darin, Flüchtlinge rechtlich zu beraten und psychosozial zu betreuen.

Gute Netzwerke, auch in fragilen Staaten

Auch wenn die Zusammenarbeit wegen der Flüchtlingskrise derzeit besonders intensiv ist: Die Partnerschaft mit NRO ist für die GIZ nichts Neues. Vor allem in fragilen Staaten lassen sich die unterschiedlichen Vorgehensweisen der nichtstaatlichen Organisationen gut verbinden mit denen der staatlichen Zusammenarbeit. NRO haben durch ihre Netzwerke häufig einen direkten Zugang zu den schwächsten Bevölkerungsgruppen. Gerade weil sie nicht staatlich sind, ist ihre Verankerung im Land tief und ihre Bewegungsfreiheit relativ hoch.

Die GIZ wiederum bringt die politischen Kontakte ein, die nötig sind, um mit staatlichen Stellen effektiv zusammenzuarbeiten. So stellen wir sicher, dass der Einsatz der Partner-NRO eingebunden wird in eine Gesamtpolitik, und tragen dazu bei, dass zum Beispiel Kommunen die weitere Umsetzung von Aktivitäten in ihrer Haushaltsplanung berücksichtigen. Darüber hinaus werden durch NRO auch lokale Organisationen fachlich und kaufmännisch befähigt, Projekte selbst umzusetzen. So arbeiten wir etwa bei der Erweiterung und Ausstattung von Schulen oder Gesundheitszentren für Flüchtlinge und aufnehmende Gemeinden zusammen. Die NRO übernehmen dabei oft die Federführung für kleinere Bauvorhaben, die GIZ hat die Aufsicht.

In Flüchtlingscamps die ärztliche Versorgung verbessern

Auf die Summe dieser Vorteile können wir nicht verzichten. Wenn wir sie nutzen, kommen wir besser voran. Dafür gibt es weitere Beispiele: In der Ukraine geben wir mit deutschen und lokalen NRO Binnenflüchtlingen durch Sprach- und Computerkurse Perspektiven. In Kenia und der Türkei ist das International Rescue Committee ein wichtiger Partner: Im kenianischen Flüchtlingscamp Kakuma haben wir gemeinsam etwa die ärztliche Versorgung verbessert, in Reyhanlı an der türkisch-syrischen Grenze unterstützen wir ein Jugendzentrum.

Wie die Zusammenarbeit strukturell und finanziell organisiert wird, ist unterschiedlich. Manchmal sieht unser Auftraggeber die Beteiligung von NRO bereits vor. In anderen Fällen schließen wir selbst Verträge mit ihnen, weil wir glauben, dass wir die Menschen so am besten erreichen.

Natürlich läuft die Zusammenarbeit nicht immer reibungsfrei. Wir müssen etwa respektieren, dass die NRO ihre Öffentlichkeitsarbeit unabhängig von uns betreiben. Zudem vertreten sie manchmal öffentlich politische Ansichten, die sich stark von unseren unterscheiden. Das kann Irritationen auslösen, vor allem bei Partnerregierungen oder Botschaften. Doch der Gewinn überwiegt. Gerade bei der Unterstützung von Flüchtlingen gehen alle Beteiligten pragmatisch miteinander um, weil die Herausforderungen so unendlich groß sind.

aus akzente 2/16