In Kreisläufen denken und handeln

Staatssekretär Jochen Flasbarth über die Kreislaufwirtschaft zur Müllvermeidung
Gastbeitrag von Staatssekretär Jochen Flasbarth

Foto: Bundesregierung/Sandra Steins

Bei manchen Themen zeigen sich Herausforderungen, Grenzen und gelegentlich sogar die Tragik der Umweltpolitik besonders deutlich. Die Meeresvermüllung ist ein solches Thema. Intellektuell wissen wir, was zu tun ist, um unseren Planeten dauerhaft intakt und lebenswert zu erhalten, aber gleichzeitig scheinen unüberwindbare Hürden den Weg dorthin zu verstellen. Meiner Erfahrung nach rühren die meisten dieser Hürden allerdings von Unwissen, Unverständnis, fehlendem Verantwortungsbewusstsein und falscher Prioritätensetzung.

Die Menschheit erzeugt jährlich über 2.000 Millionen Tonnen Siedlungsabfälle – Tendenz weiter steigend. Derartig große Zahlen übersteigen unsere Vorstellungskraft. Aber tatsächlich geht es gar nicht um schiere Mengen, sondern um deren negativen Auswirkungen auf die Umwelt. Bevor viele Tausend Tonnen die Umwelt verschmutzen, wurden sie als Rohstoffe der Erde abgerungen und zu Produkten veredelt, oftmals unter erbärmlichsten sozialen Bedingungen und unter hohem Energieaufwand.

Trotzdem werden sie zum Teil nach kurzer Nutzung gedankenlos weggeworfen. Diese Wirtschaftsweise hat enorme Folgen: Sie führt dazu, dass klimaschädliche Gase ausgestoßen, Gewässer und Wasservorräte zerstört, in gewaltigem Ausmaß Energie und Ressourcen verschwendet werden und Biodiversität verloren geht.

„Die Abfallhierachie lehrt uns: Am besten ist es, Abfall zu vermeiden, und Recycling immer der Deponierung vorzuziehen.“

Mein Anliegen ist es, das gegenwärtige Produktions- und Konsummodell so zu verändern, dass sich die menschliche Intelligenz dem Schutz und nicht der Zerstörung unserer natürlichen Ressourcen widmet. Im Zentrum steht dabei der Wechsel von linearen zu zirkulären Stoffströmen: Die Problematik ist virulent, wie vielerorts sichtbar; vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern türmt sich Abfall in immer größeren Bergen auf, da er nicht in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt wird. Plastikmüll gelangt über zehn der weltweit größten Flüsse in riesigen Mengen in die Weltmeere.

Dem können wir weltweit nur begegnen, indem wir eine geordnete Kreislaufwirtschaft aufbauen. Die Abfallhierarchie lehrt uns: Am besten ist es, Abfall zu vermeiden, und Recycling immer der Deponierung vorzuziehen. Doch dafür gilt es, die jeweiligen Bedingungen eines Landes zu berücksichtigen und regional unterschiedliche Lösungen zu finden. Es reicht nicht, nur einfach Technik zu exportieren. Sondern es kann auch bedeuten, den informellen Sektor einzubinden, Wissen und Know-how mitzuliefern und den Aufbau der erforderlichen administrativen Strukturen zu unterstützen. Die GIZ arbeitet auf diesem Gebiet bereits seit vielen Jahren, auch mit Unterstützung des Bundesumweltministeriums.

Die vor kurzem von BMZ und BMU öffentlich gegründete internationale Abfall-Allianz PREVENT wird diesen Ansatz künftig noch stärker vorantreiben. Sie will dazu beitragen, weltweit Abfall zu vermeiden und Recyclingsysteme aufzubauen. So hat der Bundestag dem BMU 50 Millionen Euro für die Bekämpfung des Meeresmülls zugewiesen, mit denen wir Schlüsselprojekte unterstützen werden. Allerdings ist auch klar, dass Good Governance bei den Empfängern eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg solcher Projekte ist.
In keinem Land der Erde ist das Ideal einer Kreislaufwirtschaft bereits erreicht. Aber wir können unsere Erfahrungen mit den Partnern teilen, die in die gleiche Richtung gehen wollen. Die Abfall-Allianz soll die Vorteile der Kreislaufwirtschaft demonstrieren helfen. Das BMZ und das BMU arbeiten hier Hand in Hand – um scheinbar unüberwindliche Hürden zu meistern. —

aus akzente 2/19