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Frauen arbeiten auf einem Feld
Interview

„Das Recht auf Nahrung ist das weltweit am meisten verletzte Menschenrecht“

Ralf Sanftenberg leitet die Abteilung für Ländliche Entwicklung und Agrarwirtschaft der GIZ. Hier erklärt er, warum er beim nachhaltigen Entwicklungsziel „Kein Hunger“ trotz der schwierigen Lage zuversichtlich bleibt.

Text: Sabrina Pfost Fotos: Momar Talla Cissé

Kein Hunger – dieses Ziel der Agenda 2030 liegt immer noch in weiter Ferne. 735 Millionen Menschen auf der Welt hungern. Und das, obwohl von 1990 bis zur Mitte der 2010er Jahre große Erfolge bei der weltweiten Hungerbekämpfung erzielt worden sind. Doch seitdem steigt die Zahl der Hungernden wieder. Die Corona-Pandemie, Klimaveränderungen und der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine verstärken die angespannte Situation.

Dabei fehlt es nicht per se an Nahrungsmitteln – es gäbe genug, um alle Menschen zu versorgen. Auch Wissen und Technik sind ausreichend vorhanden, jedoch ungerecht verteilt. Und die Weltbevölkerung wächst weiter. Die globale Nahrungsmittelproduktion muss bis 2050 um etwa 60 Prozent steigen, um den Hunger zu beenden, und zwar mit vorhandenen Wasserressourcen und Flächen. Um dieses Ziel überhaupt erreichen zu können, muss Landwirtschaft nachhaltiger und ressourcenschonender werden. Und man muss die Mehrdimensionalität von ländlicher Entwicklung, Landwirtschaft und Ernährung stärker in den Blick nehmen.

Agrar- und Ernährungssysteme grundlegend transformieren

Die neu ausgerichtete Sonderinitiative „Transformation der Agrar- und Ernährungssysteme“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zielt darauf, Agrar- und Ernährungssysteme schnell und grundlegend umzugestalten: hin zu nachhaltigen, klimaschonenden Anbau- und Verarbeitungsmethoden, die die Biodiversität erhalten. Von besserem Saatgut über optimierte Bewässerung und Maschinen bis hin zu Lieferketten liegt der Fokus auf lokalen Veränderungen, die überregionale Auswirkungen haben.

Ökoleistungen anerkennen

Im Globalen Süden liefert kleinbäuerliche Landwirtschaft den Großteil der Nahrungsmittel. Bäuerinnen und Bauern erbringen jedoch darüber hinaus eine Vielzahl von Ökosystemleistungen. Dazu gehören der Schutz natürlicher Ressourcen wie Wasser, der Erhalt von Böden und Biodiversität. Diese Leistungen werden noch wenig anerkannt und nicht honoriert.

Hier setzt die Initiative „CompensACTION“ des BMZ an. Beiträge jenseits der Nahrungsmittelproduktion werden darin ausgeglichen, zum Beispiel, wenn Bäuerinnen und Bauern mit biologischem Dünger den Kohlenstoffgehalt ihrer Böden erhöhen. Kohlenstoffreiche Böden speichern mehr Wasser und geben weniger Nähr- und Schadstoffe ins Grundwasser ab. Dies macht den Anbau nachhaltiger und die Bäuerinnen und Bauern können ein zusätzliches Einkommen generieren.

CompensACTION (Englisch)

Gemeinsam handeln gegen Hunger

2023 fanden wichtige Konferenzen zum Thema Hunger statt. Expert*innen aus Politik, Wissenschaft und internationalen Organisationen arbeiten gemeinsam an Lösungen, um die Agrar- und Ernährungssysteme weltweit zu transformieren. Schafft die Weltgemeinschaft die Trendwende? Abteilungsleiter für Ländliche Entwicklung und Agrarwirtschaft Ralf Sanftenberg zieht exklusiv für akzente ein Zwischenfazit im Videointerview.

Zu folgenden Nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs) der Vereinten Nationen trägt das Vorhaben bei:
SDG 2: Kein Hunger