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Infografik

Mind the gap!

Feministische Entwicklungspolitik fördert gezielt die Geschlechtergerechtigkeit. Sie ist ein Schlüsselfaktor für Frieden und Entwicklung. Aber wie steht es darum in den Bereichen Bildung, Wirtschaft, Politik und Gesundheit? Unsere Infografik gibt Aufschluss.

FORTSCHRITTE IN DER BILDUNG

Wir starten mit einer guten Nachricht: Im Bereich der Primar- und Sekundarbildung ist das Verhältnis zwischen den Geschlechtern weltweit ausgeglichen. Im tertiären Bildungsbereich – also an Fach- oder Hochschulen – liegen Frauen sogar vorn: 53 Prozent des Anteils eines Jahrgangs sind weiblich. Diese Entwicklung spiegelt sich noch nicht in den Bereichen Forschung und Lehre wider. Lediglich 30 Prozent aller Forscher*innen sind weiblich.

Quelle: World’s Women 2020 | UNStats

ZUGANG ZU POLITIK

Die Entwicklung bei der politischen Teilhabe ist insgesamt positiv. Machten im Jahr 1995 Frauen im Durchschnitt weltweit lediglich elf Prozent der nationalen Parlamente aus, sind es heute bereits 26,5 Prozent. Die Unterschiede zwischen Ländern sind sehr groß: So hat Ruanda mit 61 Prozent weltweit den größten Frauenanteil, im Vergleich liegt der Deutsche Bundestag bei knapp 35 Prozent.

Quellen: UN Women, IPU Parline, Global Gender Gap Report 2022, F.A.Z.

FRAUEN ALS WIRTSCHAFTSFAKTOR

Weltweit geht ein großes Potenzial verloren, wenn Frauen – besonders Mütter – keiner bezahlten Arbeit nachgehen. Schweden wirkt dem seit Jahrzehnten mit Gesetzen und Initiativen wie bezahlter Elternzeit, Gehaltstransparenz und gleicher Teilhabe entgegen. Mit Erfolg: Wenn überall so viele Frauen arbeiten würden wie in Schweden – die Quote der vollzeitbeschäftigten Frauen liegt dort bei rund 85 Prozent –, könnte das BIP der OECD-Länder um 6 Billionen US-Dollar pro Jahr wachsen. Das Gesamt-BIP betrug in der OECD zuletzt 54 Billionen US-Dollar.

Quellen: Women in Work Index 2023 – PwC UKGross domestic product (GDP) – OECD Data
 

SPITZENPOSITIONEN MÄNNLICH DOMINIERT

Frauen sind in Führungspositionen weiter unterrepräsentiert. Hier sieht man jedoch große Unterschiede zwischen dem öffentlichen und dem Privatsektor. Am kleinsten ist die Lücke bei Nichtregierungsorganisationen. Ein Blick auf die umsatzstärksten Unternehmen weltweit zeigt hingegen ein anderes Bild: Lediglich 8 Prozent werden von Frauen geführt. Trotzdem ist dies ein Erfolg. 1995 lag ihr Anteil nämlich noch bei null, 2011 noch bei 2,4 Prozent.

Quellen: Global Gender Gap Report 2022, Catalyst

HAUS- UND CARE-ARBEIT BLEIBEN FRAUENSACHE

Ein Faktor, der die gesellschaftliche Teilhabe von Frauen weltweit hemmt, ist die ungleiche Verteilung von unbezahlter Sorgearbeit. An einem durchschnittlichen Tag verbringen Frauen weltweit etwa dreimal so viele Stunden mit unbezahlter Haus- und Pflegearbeit wie Männer (4,2 Stunden gegenüber 1,7 Stunden). In Nordafrika und Westasien verbringen Frauen sogar mehr als siebenmal so viel Zeit mit diesen Tätigkeiten wie Männer.

Quelle: The World’s Women 2020 | UNStats

GESUNDHEIT: MEHR FRAUEN VERHÜTEN

Der Zugang zu Verhütungsmitteln fördert nicht nur die Gesundheit, sondern auch Bildungs- sowie Chancengleichheit insgesamt. Das Bewusstsein dafür hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten verändert: Im Jahr 2000 wollten 900 Millionen Frauen weltweit verhüten, im Jahr 2020 waren es 1,1 Milliarden. Infolgedessen stieg die Zahl der Frauen, die eine moderne Verhütungsmethode nutzen, von 663 Millionen auf 851 Millionen. Der Prozentsatz der Frauen, die ihren Bedarf gedeckt sehen, liegt heute bei knapp 77 Prozent, 2000 waren es 74 Prozent.

Quelle: WHO

AUSBLICK

Es bleibt ein langer Weg. Bei jetziger Geschwindigkeit dauert es noch 135,5 Jahre, bis Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern erreicht ist. Die Zeitspanne lag vor Corona bei 99,5 Jahren. Die Pandemie hat die Lage verschärft, da mehr Frauen ihre Arbeitszeit reduziert und mehr unbezahlte Sorgearbeit geleistet haben.

Quelle: Global Gender Gap Report 2022