Interview

„Wir brauchen neue Energiepartnerschaften“

Antonio Almonte, Minister für Energie und Bergbau der Dominikanischen Republik, im akzente-Interview über Hürden bei der Energiewende und die Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH.

Interview
Ulrike Scheffer

Herr Minister, Sie haben Ende März am Berlin Energy Transition Dialogue teilgenommen. Welche Impulse haben Sie mitgenommen?
Die Konferenz war für uns eine gute Gelegenheit, uns über die politischen Rahmenbedingungen und die Herausforderungen der internationalen Energiewende auszutauschen. Die steigenden Preise für Gas und Kohle machen das Thema jenseits des Klimawandels für Länder wie die Dominikanische Republik noch drängender. Der Berlin Energy Transition Dialogue hat deutlich gemacht, dass wir neue Energiepartnerschaften brauchen.

Minister Almonte beim Berlin Energy Transition Dialogue mit Bundesaußenministerin Annalena Baerbock
Minister Almonte beim Berlin Energy Transition Dialogue mit Bundesaußenministerin Annalena Baerbock © Photothek/AA

Welche Ziele setzt sich die Dominikanische Republik für den Ausbau erneuerbarer Energien?
Der ursprüngliche Plan, bis 2025 ein Viertel des Strombedarfs aus erneuerbaren Energien zu gewinnen, ist aktuell schwer zu erreichen. Die 2020 gewählte Regierung musste die Ziele für die Energiewende anpassen. Unser neues Ziel ist es, diesen Anteil bis 2030 auf 30 Prozent zu erhöhen. Derzeit beträgt der Anteil Erneuerbarer am Energiemix rund 20 Prozent.

Wie wollen Sie das erreichen und welche Energiequellen sollen konkret ausgebaut werden?
Wir setzen vor allem auf Solar- und Windenergie, jedoch auch auf Biomasse und Wasserkraft. Allein im vergangenen Jahr hat die neue Regierung mit der privaten Energiewirtschaft Stromkaufverträge für neue Solarprojekte mit einer installierten Leistung von 800 Megawatt abgeschlossen. Damit verdoppeln wir die derzeit installierte Leistung der großen Solar- und Windprojekte, die gemeinsam mit den kleinen Photovoltaikanlagen aktuell gut zehn Prozent des Strombedarfs produzieren.

Was sind die größten Herausforderungen bei der Energiewende in der Dominikanischen Republik?
Am schwierigsten ist die Finanzierung. Wie andere Länder der Karibik haben wir in der Vergangenheit vor allem sehr klimaschädliches Schweröl zur Stromgewinnung verwendet. In einem ersten Schritt haben wir in den letzten Jahren unsere Kraftwerke auf Erdgas umgerüstet. So verringern wir unsere Emissionen und halten unsere Stromnetze während des Ausbaus erneuerbarer Energien stabil. Aber leider bieten Entwicklungsbanken wie die Weltbank oder die Interamerikanische Entwicklungsbank keine Kredite für die Umrüstung fossiler Energieprojekte auf Erdgas mehr an.

Der dominikanische Energieminister Antonio Almonte
Der dominikanische Energieminister Antonio Almonte © Ministerio de Energía y Minas

Gibt es auch Hürden beim Ausbau erneuerbarer Energien?
Auch hier liegt die größte Herausforderung in der Finanzierung, etwa für Großprojekte oder für den Ausbau sicherer Übertragungsnetze. Derzeit haben wir große Energieverluste im Netzsystem. Wir müssen die Effizienz der Verteilnetzbetreiber dringend steigern – zum einen, um keine Energie zu verlieren, zum anderen aber auch, weil der Staat die Netzbetreiber, die Verluste machen, mit Zuschüssen unterstützen muss. Des Weiteren müssen wir das Übertragungsnetz ausbauen, um erneuerbare Energien sicher integrieren zu können. Dafür sind ebenfalls große Investitionen notwendig.

Energiesicherheit ist ein großes Thema für Ihr Land. Hier arbeiten Sie mit der GIZ zusammen.
Diese Kooperation ist für uns sehr wichtig, denn die erneuerbaren Energien spielen eine große Rolle bei der langfristigen Energiesicherheit. Die GIZ hat eine Schlüsselfunktion beim Aufbau von Kapazitäten für die Energiewende und unterstützt uns mit technischen Studien, damit wir die richtigen Entscheidungen treffen können. Dabei geht es etwa um die Frage, wie wir die Energie aus Wind und Sonne sicher einspeisen können, ohne die Stromnetzstabilität zu beeinträchtigen.

Viele Entwicklungs- und Schwellenländer fühlen sich von den Industriestaaten nicht ausreichend unterstützt bei der Umsetzung ihrer nationalen Klimaschutzbeiträge. Hat sich seit der UN-Klimakonferenz in Glasgow 2021 daran etwas verändert?
Für die Dominikanische Republik hat sich seit Glasgow nicht viel verändert. Unsere größte Herausforderung bleibt bestehen: Wir haben weiterhin keinen Zugang zu internationalen Fonds zur Finanzierung der Umrüstung auf Erdgas. Wir brauchen Erdgas noch als Brückentechnologie, denn nur so können wir sicherstellen, dass während der Energiewende genug Strom für unsere wachsende Wirtschaft zur Verfügung steht.

Im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) unterstützt die GIZ im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) die Dominikanische Republik beim Erreichen ihrer Klimaschutzziele. Wir arbeiten eng mit dem Ministerium für Energie und Bergbau und weiteren Partnern aus dem dominikanischen Energiesektor zusammen, um erneuerbaren Energien zu fördern und Treibhausgas-Emissionen zu senken.

 

Kontakt: Clemens Findeisen, Clemens.findeisen@giz.de

Mai 2022