Hygienetraining in Laos

Wassermusik

Richtiges Händewaschen rettet Kinderleben. Im südostasiatischen Laos gehört Hygienetraining zum Schulalltag: damit Mädchen und Jungen gesund bleiben.

Text: 
Brigitte Spitz
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Brigitte Spitz und GIZ

Beim Händewaschen ist Chino voll bei der Sache. Mit seinen vier Jahren weiß er bereits ganz genau, wie es richtig geht. Nicht einfach husch, husch, sondern mit Seife und in sieben Schritten. Am besten trällert man dazu ein Lied. Genauso hat er es in der Vorschule in der laotischen Hauptstadt Vientiane gelernt. Und zu Hause zeigt er es auch gleich seiner kleinen Schwester.

 

Chino (4) führt vor, dass zum richtigen Hände­waschen auch die Handoberflächen gehören.

So ein vorbildliches Verhalten ist weder in Laos noch weltweit Standard. Händewaschen wird oft vernachlässigt, auch in Industriestaaten. Dabei ist es vor dem Essen und nach dem Toilettengang ein effektives Mittel gegen die Ansteckung mit Krankheiten. In armen Ländern ist die regelmäßige Reinigung oft deshalb nicht selbstverständlich, weil Menschen häufig keinen Zugang zu sauberem Wasser und Waschgelegenheiten haben. Mit gravierenden Folgen: Weltweit sterben laut UNICEF täglich rund 1.400 Kinder an Durchfall. 800 dieser Todesfälle lassen sich direkt auf mangelnde Hygiene zurückführen. Durch Krankheiten aufgrund von schmutzigem Wasser, schlechten sanitären Einrichtungen und mangelnder Hygiene sterben jedes Jahr mehr Kinder unter fünf Jahren als an HIV/Aids, Malaria und Masern zusammen.

In Laos, das zu den am wenigsten entwickelten Ländern weltweit zählt, hat nur die Hälfte der rund 6,9 Millionen Einwohner*innen unmittelbaren Zugang zu sauberem Wasser. Die mangelnde Hygiene zeigt deutliche Folgen: Infektionskrankheiten, Unterernährung und Karies sind die häufigsten Erkrankungen von Jungen und Mädchen in Laos. „Kinder, die viel krank sind, fehlen oft in der Schule, ihre körperliche Entwicklung verzögert sich und die Familien wissen meist nicht, wie sie die Kosten für die Behandlung aufbringen sollen“, erzählt Bouachanh Chansom. Sie leitet in Laos ein Wasser-, Sanitär- und Hygiene-Programm der GIZ. Mit Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) startete „Fit for School“ 2009 auf den Philippinen als Pilotprojekt. 2011 wurde der Ansatz im Auftrag des BMZ auf Indonesien, Kambodscha und Laos ausgedehnt.

Sisattanak Short Version English

Die Idee dahinter ist einfach: Schulen müssen gesunde Orte sein. Für tägliche gemeinsame Hygieneaktivitäten der Kinder muss es Wasser und Seife geben. Der Zugang zu Toiletten und Waschgelegenheiten sowie deren Reinigung und Wartung werden verbessert. Das GIZ-Team arbeitet mit den Erziehungsministerien in den Partnerländern daran, umsetzungsfähige Konzepte und praxisnahes Schulungsmaterial zu entwickeln, damit es für Schulleiter*innen und Lehrer*innen einfach ist, Hygieneaktivitäten in die Routine des Schulalltags zu integrieren. Eine zentrale Rolle spielen dabei länderspezifische Videos. Sie sind so wichtig, weil hier alle Beteiligten einfach auf ihrem Smartphone immer wieder ihr Wissen auffrischen können. Die GIZ-Länderteams entwickeln mit den Bildungsministerien nationale Monitoring-Systeme zur Ermittlung der Anzahl der teilnehmenden Schulen sowie der Qualität der Umsetzung.

1,25 Euro für Seife und Zahnbürste

In Laos übernahm das Bildungsministerium Ende 2011 zusammen mit dem Gesundheitsministerium den „Fit for School“-Ansatz und stellte zunächst für 22 Modellschulen ein kleines Budget zur Verfügung, etwa zum Bau oder zur Sanierung von Waschgelegenheiten durch die Schulgemeinde. Begonnen wurde im Großraum der Hauptstadt Vientiane. Im nächsten Schritt wurde das Programm strategisch auf je eine Schule der 18 Provinzen ausgeweitet. Innerhalb von gut sieben Jahren haben sich in Laos fast 30 Prozent der insgesamt rund 8.700 staatlichen Grundschulen angeschlossen. Ziel ist es, „Fit for School“ in den Schulentwicklungsplan zu integrieren und damit die schulische Wasser- und Sanitärsituation zu verbessern sowie das Hygieneverhalten landesweit in den Grundschulalltag einzubauen.

 

Immer schön die Zähne putzen - Kindergartenkinder in Laos

„Zunächst waren die Leute vom Land skeptisch. Sie sorgten sich, dass es eine Idee der Städter sei, die viel koste“, erinnert sich Bouachanh Chansom. Doch die Erfahrungen in den Modellschulen zeigten, dass mit wenigen Mitteln viel für die Gesundheit der Kinder erreicht werden kann. Das habe überzeugt. „Gebaut wird mit Material, das vor Ort verfügbar ist“, erklärt sie. In besonders armen Gegenden ohne Wasserleitungen, etwa an der Grenze zu Myanmar oder Vietnam, errichteten Dorfbewohner aus Bambusstangen Halterungen für Plastikflaschen. Dort wird Wasser eingefüllt und die Kinder drehen die Flaschen um 180 Grad, wenn sie die Hände mit Seife waschen. „Tippy Tap“ heißt dieses simple System. Für Seife, Zahnbürsten und -pasta müssen die Familien pro Kind und Jahr etwa 12.000 laotische Kip, rund 1,25 Euro, aufbringen. „Die meisten schaffen das, und dort, wo die Menschen besonders arm sind, zahlt es die Schule“, sagt die ausgebildete Kinderärztin Chansom.

Die laotische Regierung will den „Fit for School“-Ansatz nun auch in der vorschulischen Bildung für jüngere Kinder verankern. Chino besucht den privaten Vanhuisa-Kindergarten in Vientiane. Hier wird bereits mit den Jüngsten richtiges Händewaschen und Zähneputzen geübt. Vertreter*innen anderer Einrichtungen sind schon vorbeigekommen und haben sich nach den Erfahrungen erkundigt. Das Bewusstsein ändert sich, meint Direktorin Khewavanh Manivong: „Diese Zeit ist so prägend. Verhaltensweisen, die sie hier lernen, behalten die Jungen und Mädchen ihr ganzes Leben lang.“ Gerade haben die Zwei- bis Sechsjährigen ihr Lied vom Händewaschen gesungen und dazu getanzt. Eine Trockenübung, die die Schritte des richtigen Händewaschens spielerisch trainiert. Dann geht es an die vom Hausmeister gebaute Wasserleitung. In die blau gestrichenen Röhren sind Löcher gebohrt, aus denen das Wasser plätschert, wenn der Haupthahn aufgedreht wird. Die Kinder seifen sich die Hände ein und lachen über die Gäste an diesem Tag. Wer sich traut, bespritzt die Besucher und freut sich über das Wasserspiel.

Schwere Karies bei neun von zehn Kindern

Nach dem Mittagessen werden zudem Zahnbürsten verteilt. Auch für viele Kinder in dieser Einrichtung war Zahnpflege nicht selbstverständlich, berichtet Direktorin Manivong. Weil sich aber gerade in den Städten die Ernährungsgewohnheiten geändert haben und Kinder sehr viel Süßes essen, führt das zu schwerer Karies. Neun von zehn laotischen Grundschüler*innen leiden daran, im Durchschnitt hat jeder Erstklässler sieben zerstörte Zähne im Mund. 70 Prozent aller Kinder haben kariesbedingte Infektionen. Viele Jungen und Mädchen leiden an Zahnschmerzen, was ihre Konzentration erheblich beeinflusst. Zahnärztliche Versorgung gibt es jedoch nur in größeren Städten und ist für die meisten Menschen unerschwinglich. Durch regelmäßiges Putzen mit Fluoridzahnpasta kann die Mundgesundheit deutlich verbessert werden: Eine wissenschaftliche Studie hat gezeigt, dass Kinder im „Fit for School“-Programm in Laos 38 Prozent weniger Karies entwickeln als Kinder in Kontrollschulen.

Im Mund von Chinos Schwester blitzen erst vier Zähne. Doch der große Bruder achtet darauf, dass sie und alle, die noch kommen werden, gesund bleiben. Und damit nicht genug: „Chino erinnert auch mich immer ans Zähneputzen“, sagte Mutter Lee, die das Händewaschen-Ritual mit ihren Kindern mitmacht. Sie hat sich daran gewöhnt, dass alles mit Gesang und Tanz etwas länger dauert. Nur ihr Mann, erzählt sie lachend, wolle abends partout noch nicht mitsingen und tanzen. —

LAOS

 

Hauptstadt: Vientiane / Einwohner: 7,1 Millionen / Bruttoinlandsprodukt pro Kopf: 2.460 US-Dollar / Wirtschaftswachstum: 6,5 Prozent / Rang im Human Development Index: 139 (von 189)

 Karte Laos

 

„Fit for School“ startete auf den Philippinen. In Partnerschaft mit dem Zentrum für Erziehungs­innovation und Technologie der südostasiatischen Bildungsminister (SEAMEO INNOTECH) wurde das Programm ausgeweitet – aufgrund der Nachfrage. Kontakt: Alexander Winkscha, alexander.winkscha@giz.de

DAS PROJEKT IN ZAHLEN

14,9 Millionen Kinder
besuchen Schulen, die in Indonesien, Kambodscha, Laos und auf den Philippinen vom „Fit for School“-Programm erreicht werden.

 

39.600 Schulen
beteiligen sich an nationalen Initiativen zur Verbesserung von Wasser-, Sanitärversorgung und Hygiene (WASH) in Bildungseinrichtungen.

 

 

 

 

 

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