Pioniere aus dem Urwald

„Frauen spielen eine immer wichtigere Rolle.“

GLADYS SHIGUANGO (37) ist Präsidentin von Rukullakta, einem Dachverband von Kichwa-Gemeinden der Region Tena.

PEDRO RAMIREZ(54) ist Diplom-Landwirt in Ecuador. Er berät im Auftrag der GIZ Kleinbäuerinnen und -bauern in der Provinz Napo, damit sie durch die nachhaltige Nutzung der Natur gut leben können.  „Die Kaffeegenossenschaften Waylla Kuri und Jatary sind Vorbilder in der Region. Sie haben es geschafft, ihren Kaffee immer besser zu machen. So konnten sie sich vom Kaffee-Weltmarktpreis abkoppeln und erhalten die höheren Preise des Gourmet-Kaffeemarktes. Sie produzieren mit klaren Vorgaben: Es dürfen nur auf bereits vorher genutzten Flächen Kaffee und andere Produkte angebaut werden. Die Abholzung von Primärwald ist tabu – darüber wacht die Gemeinschaft. Folgerichtig liegt das Augenmerk auf dem qualitativen Wachstum. Dazu bauen sie nach strengen ökologischen Kriterien an und verbessern ihre Produktionsmethoden. Dabei unterstützen wir die Genossenschaften und beschaffen etwa Dreschmaschinen für den Kaffee und verbessern die Trockenzelte. Außerdem helfen wir mit Kontakten zu neuen, potenziellen Abnehmern.  Die Firma Quijote Kaffee aus Hamburg ist eine wichtige Referenz in der Branche, denn die deutschen Röster importieren direkt, sind bekannt und vernetzen ihre Partner auch mit befreundeten Röstern. Das macht die Kaffeekooperativen und ihre Art zu wirtschaften bekannt. Sie legen Wert darauf, den eigenen Lebensraum zu schützen und zu erhalten. Das ist in Ecuador alles andere als selbstverständlich. In der Provinz Napo lernen auch Menschen aus anderen Landesregionen von den Angehörigen der Kichwa-Ethnie, wie sie nachhaltig mit den Ressourcen umgehen, die Natur respektieren und trotzdem ein Auskommen generieren können. Diese Vorbildfunktion hängt entscheidend vom ökonomischen Erfolg ab. Dazu kann auch die Vermarktung neuer Produkte wie Guayusa beitragen. Aus den koffeinhaltigen Blättern dieses Baums wird traditionell ein Tee zubereitet, dessen fruchtiger, belebender Geschmack auch in Europa auf erste Nachfrage stößt. Da sehen wir weiteres Potenzial für ein typisches Produkt aus der Amazonasregion, das in den Waldgärten – den Chakras – angebaut wird und gute Aussichten auf dem internationalen Markt hat: zum Wohle der Gemeinden, der Amazonasregion und des Klimas. Denn die traditionellen Anbausysteme der Kichwa schützen den Regenwald, der ein wichtiger Klimaregulator ist. Er kann riesige Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid aufnehmen und den enthaltenen Kohlenstoff in seinen Pflanzen und im Boden speichern.“ — Die anderen Stimmen:  AUGUSTO SALAZARAUGUSTO SALAZAR  GLADYS SHIGUANGOGLADYS SHIGUANGO  AUGUSTO SALAZARANDREAS FELSEN   Februar 2020„Seit Anfang 2019 bin ich Präsidentin von Rukullakta und die erste Frau, die in dieses Amt gewählt wurde. Ich bin auf der Chakra meiner Eltern groß geworden, wo wir Kakao, Guayusa, Mais, Yucca und vieles mehr anbauen. Nun soll Kaffee dazukommen. Das ist ein Beschluss meiner Familie und sie ist nicht die Einzige in unserer Nachbarschaft, die sich für den Kaffeeanbau entschieden hat. Der Grund ist einfach: Wir werden für ein gutes Produkt gut bezahlt. Das ist attraktiv und bietet meiner Familie und vielen anderen eine Chance, den Lebensstandard etwas zu heben.

Dabei spielen die Frauen in unserer Organisation, der 17 Gemeinden mit insgesamt etwa 6.500 Menschen angehören, eine immer wichtigere Rolle. Dafür bin ich ein Beispiel, aber auch die beiden Technikerinnen, die in unserer Genossenschaft Waylla Kuri in der Leitung arbeiten. Frauen haben heute Stimme und Stimmrecht in den Versammlungen, wo wir über unsere gemeinsame Zukunft entscheiden. Das war nicht immer so. Heute sind vierzig Prozent der 330 Kaffeeproduzenten Frauen – Tendenz steigend. Ich werde auch bald mehr von Kaffee verstehen, wenn meine Familie die ersten Kaffeesträucher anpflanzt und in zwei, drei Jahren die ersten Kaffeekirschen erntet. Das wird eine neue Erfahrung in einem vertrauten Umfeld. Mit der Chakra sind wir alle groß geworden, denn sie ernährt uns und soll uns zukünftig höhere Einnahmen bringen. Dazu gehört auch die Vermarktung neuer Produkte. Für uns bietet das die Chance, mehr Erfolg zu haben, dafür engagiere ich mich als Präsidentin unserer Gemeinde. Wir wollen vorankommen – mit Kaffee, mit Kakao und anderen Produkten.“ —

Die anderen Stimmen:

AUGUSTO SALAZARAUGUSTO SALAZAR


PEDRO RAMIREZPEDRO RAMIREZ


AUGUSTO SALAZARANDREAS FELSEN

aus akzente 3/19