Saubere Energie - Interview

„Beispiellose Unterstützung”

Patricia Espinosa, Generalsekretärin der UN-Klimarahmenkonvention, über das Pariser Klimaabkommen.

Patricia Espinosa (Foto: DPA/Rolf Vennenbernd)

Würden Sie sagen, dass der Klimawandel inzwischen wissenschaftlich belegt ist?
Ja. Die wissenschaftlichen Auswertungen, die der Weltklimarat über 25 Jahre lang vorgenommen hat, sind profund und glaubwürdig.

Manche sagen, der Klimawandel beschleunige sich. Stimmt das? Wo und wie zeigt sich das?
Wissenschaftler sind auf jeden Fall besorgt etwa über die Rekordhöhe der globalen Temperaturen in den vergangenen Jahren und die Eisdecke in Arktis und Antarktis, die zu  bestimmten Zeiten im Jahr noch nie so dünn war. Je mehr wir die Atmosphäre verschmutzen, desto stärker riskieren wir sehr plötzliche und unvorhersehbare Veränderungen des Klimas auf der Erde, die unumkehrbar sein könnten.

Das Paris-Abkommen nimmt alle Länder in die Verantwortung für den Kampf gegen die globale Erwärmung: große und kleine Länder, reiche und arme. Wie ernst nehmen die Länder den Vertrag?
Sehr ernst: Die Schnelligkeit, mit der das Abkommen in Kraft getreten ist, und die Zahl der Ratifizierungen – derzeit über 150 und monatlich kommen weitere hinzu – unterstreichen den globalen Enthusiasmus, der in der Sache herrscht.

Arbeiten die Länder wirklich daran, ihre Energiesysteme zu verändern, zum Beispiel mehr erneuerbare Energien zu nutzen? Oder ist das reine Rhetorik? 
Das Wachstum bei den erneuerbaren Energien ist ungebremst, weil sie einfach ökonomisch sinnvoll sind. 2016 wurden fast 242 Milliarden US-Dollar in erneuerbare Energien investiert und damit global zusätzliche Stromkapazitäten von 138,5 Gigawatt geschaffen. Das waren neun Prozent mehr als im Vorjahr, als die Steigerung bei 127,5 Gigawatt lag. Investitionen in erneuerbare Energien waren etwa doppelt so hoch wie in fossile Brennstoffe.

Was ist mit den Entwicklungsländern? Investieren sie ebenfalls in saubere Energieversorgungssysteme?
Ja, und nicht nur China. Auch in sehr vielen Entwicklungsländern steigen die Investitionen in erneuerbare Energien. 2016 war Jordanien ein herausragendes Beispiel. Indien ebenso; dort wurde der Ramanathapuram Solarpark in Tamil Nadu gebaut, das mit einer Leistung von 648 Megawatt das bisher größte Photovoltaik-Projekt der Welt ist.

Die Entwicklungsländer sollten Unterstützung vom Green Climate Fund erhalten – einem Fonds, der klimafreundliche Projekte ebenso wie Anpassungsprojekte fördert. Funktioniert dieser Mechanismus inzwischen?
Wir sehen positive Veränderungen, die Finanzierung von Projekten kommt wirklich in Gang. Die Aktivitäten kann jeder auf der Internetseite des Green Climate Funds verfolgen.

Welche Rolle sehen Sie für Entwicklungsorganisationen wie die GIZ bei der Umsetzung des Paris-Abkommens?
Sie spielen eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, neue Formen der Kooperationen aufzubauen und Risiko mindernde und richtungsweisende Technologien wie die erneuerbaren Energien zu fördern. Eine weitere wichtige Aufgabe sehe ich darin, „grüne Finanzierungen“ in Gang zu bringen.

Die USA hatten angekündigt, aus dem Abkommen auszusteigen, relativierten diese Ankündigung zuletzt aber. Was bedeutet das für das interrnationale Klimaregime?
Der Die Ankündigung des Ausstiegs war enttäuschend, aber die weltweite Reaktion bemerkenswert. Politische Führer aus Nord und Süd, Ost und West haben ihre Unterstützung für das Abkommen angekündigt und versprochen, weiter an der Umsetzung zu arbeiten. Gleichzeitig richten viele Städte und Regionen, unterstützt von Unternehmen und Investoren, ihr Handeln am Abkommen aus – das hat es bei einem globalen UN-Abkommen so noch nie gegeben.  

aus akzente 3/17

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