„Gleichheit für alle“

Interview mit Adrian Jjuuko, Menschenrechtsanwalt und Direktor des „Human Rights Awareness and Promotion Forum“ in Uganda

Adrian Jjuuko

In letzter Zeit hat sich die Menschenrechtssituation für Angehörige sexueller Minderheiten weiter verschlechtert. Warum?
Das Wahlkampffieber hat Uganda bereits erfasst, obwohl die Entscheidung erst 2021 fällt. Der Musiker Bobi Wine – der vor allem bei der jungen Generation beliebt ist – sorgt bei der Partei des amtierenden Präsidenten Yoweri Museveni für rote, wütende Köpfe. Die Parteimitglieder fürchten um ihre Macht. Um sich die Mehrheit zu sichern, gehen sie mit homophoben Aktionen auf Stimmenfang.

Wie tun sie das konkret?
Im Oktober 2019 gab der Ethik-Minister Simon Lokodo bekannt, ein Gesetz, das die Todesstrafe für homosexuelle Handlungen vorsieht, wieder einführen zu wollen. Kurz darauf sind einige Aktivistinnen und Aktivisten verhaftet worden, danach auch alle Gäste einer LGBTIQ-freundlichen Bar.

Warum verfangen homophobe Parolen bei vielen Wählerinnen und Wählern?
Zunächst ist es wichtig festzuhalten, dass die Situation für LGBTIQ in Uganda nicht ganz so schlecht ist, wie es durch Medienberichte erscheint. Die allermeisten Menschen haben andere Sorgen und wissen eigentlich nichts darüber. Doch zeigt die Ermordung von zwei Personen aus der LGBTIQ-Gemeinschaft Ende 2019, dass homophobe Gewalt zunehmend ein Thema wird. Viele Leute werden von evangelikalen Predigern manipuliert, die sexuelle Andersartigkeit als Todsünde brandmarken und die menschliche Angst vor dem Unbekannten ausnutzen. Auf dieser Grundlage funktionieren homophobe politische Kampagnen.

Wie kann die Situation verbessert werden?
Das Gesetz, das homosexuelle Handlungen verbietet, stammt noch aus der britischen Kolonialzeit. Die meisten Aktivistinnen und Aktivisten wollen dieses abschaffen. Ich finde nicht, dass darauf jetzt die Priorität liegen sollte. Wir sollten uns vielmehr auf das Wesentliche konzentrieren: Gleichheit für alle. Wir müssen mit Politikerinnen und Politikern, sogar mit evangelikalen Predigern sprechen. Auch die Menschenrechtstrainings für Polizeiangehörige, die von der GIZ unterstützt wurden, sollten wieder aufgenommen werden. Nur so können wir in der ugandischen Gesellschaft eine Bewusstseinsveränderung in Gang setzen.

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