Zurück zur staatlichen Ordnung

Wie die GIZ in Krisenregionen ein sicheres Umfeld für die Menschen schafft, erklärt Ute Klamert.

Ute Klamert leitet bei der GIZ den Bereich Europa, Mittelmeer und Zentralasien.

Die Welt ist im Umbruch, sie wird instabiler: 1,5 Milliarden Menschen leben in fragilen oder von Gewalt geprägten Ländern. 65,6 Millionen sind auf der Flucht oder wurden vertrieben, so viele wie nie zuvor. Allein in Syrien mussten zwei Drittel der Einwohner ihre Heimat verlassen. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in unserer Arbeit. Die Hälfte der Länder, in denen die GIZ tätig ist, sind fragile Staaten. Sie gewährleisten weder öffentliche noch individuelle Sicherheit, werden von einem maßgeblichen Teil der Bevölkerung als nicht legitim angesehen und versorgen die Menschen nur unzureichend mit öffentlichen Basisdienstleistungen (Gesundheit, Bildung, Wohlfahrt). 

Fragile Staaten unterstützen wir dabei, ihre öffentlichen Aufgaben zu erfüllen. In Ländern, in denen kriegsähnliche Zustände herrschen, kommen Stabilisierungsmaßnahmen hinzu. Der Begriff Stabilisierung entstammt den Leitlinien der Bundesregierung „Krisen verhindern, Konflikte bewältigen, Frieden fördern“ aus dem Juni 2017, die unserer Arbeit zu Grunde liegen. Stabilisierungsbemühungen schließen sich nach diesem Verständnis direkt an gewaltsame Auseinandersetzungen an. 

Wachsende Verantwortung Deutschlands

Dabei geht es darum, politische Akteure zu identifizieren und zu stärken, die am Aufbau einer neuen, friedlichen staatlichen Ordnung mitwirken können. Es sind Investitionen zur Risikoeindämmung und Prävention, die dazu beitragen, dass Konflikte nicht gleich wieder aufbrechen. Dabei greifen diplomatische, entwicklungspolitische und militärische Maßnahmen ineinander – ein Abbild der immer enger werdenden Vernetzung von Außen-, Entwicklungs- und Sicherheitspolitik, die mit der wachsenden Verantwortung Deutschlands einhergeht.

Länder, in denen Deutschland in diesem Dreiklang stabilisierend tätig ist, sind unter anderem Irak, Afghanistan, Jemen und Mali. In Irak haben wir im Auftrag der Bundesregierung mobile Kliniken in Gebieten installiert, die aus der Gewalt der Terrororganisation „Islamischer Staat“ befreit wurden. Die Kliniken befinden sich in Containern, die im Verbund aufgestellt werden. In Mossul funktionierte nach der Vertreibung des „IS“ kaum eine Intensivstation. Wo aber sollten Kinder zur Welt kommen? Wo Blinddarmentzündungen oder Beinbrüche behandelt werden? Eine mobile Klinik bietet Hunderten Familien eine sichere Versorgung, sie können bleiben und fassen Vertrauen. Unser Ziel ist es, durch schnell spürbare staatliche Dienstleistungen Grundlagen für die Wiederherstellung einer legitimen Ordnung zu schaffen.

Die richtigen Partner finden

Um die richtigen politischen Partner für diese Phase zu finden, führen wir in enger Abstimmung mit unserem Auftraggeber Analysen durch. Wir suchen Menschen, die sich für das Gemeinwohl engagieren wollen. Wir sprechen mit Dorfgemeinschaften und Gemeinderäten, um herauszufinden, was sie brauchen. So kann es in einer Kommune das wichtigste sein, Generatoren aufzustellen, eine Getreidemühle zu reparieren oder Saatgut zu liefern. Andernorts stellen wir Material bereit, um zerstörte Schulen und Gemeindehäuser instand zu setzen. Das sorgt für Hoffnung und einen halbwegs normalen Alltag. In Nordirak arbeiten wir so im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Anschubfinanzierungen für Handwerksbetriebe, Läden und Cafés sorgen dafür, dass Leben in die Städte und Dörfer zurückkehrt. 

Wir arbeiten hier mit unseren Auftraggebern, staatlichen und nichtstaatlichen Partnern sowie unseren Kollegen mit sehr hoher innerer Verbundenheit zusammen. Unterstützung für die Bevölkerung nach Gewalt und Krieg ist für uns eine wichtige, anstrengende und sehr erfüllende Aufgabe.

aus akzente 3/17