„Verständnis für Frieden entwickeln“

Niazmohammad Puya (35), Direktor des Programms zur Förderung der Grund- und Sekundarbildung (BEPA) in der Provinz Badachschan, über Fortschritte und Herausforderungen in Afghanistan.

Niazmohammad Puya

Wie schätzen Sie in Afghanistan die Fortschritte bei der Unterrichtsqualität ein?
Seit meiner Studentenzeit vor gut zehn Jahren ist dank der breit angelegten Schulungen für Lehrer die Qualität des Unterrichts in vielen afghanischen Bildungsinstitutionen insgesamt deutlich gestiegen. Statt Frontalunterricht gibt es mehr Praxisbezug. Schülerbezogener Unterricht mit einer abwechslungsreichen Methodik braucht Zeit. Deshalb bemüht sich die Regierung darum, bei der Vermittlung von Lehrstoff auf Qualität zu pochen. Lehrhandbücher geben den Lehrkräften praktische Hilfe bei der Unterrichtsgestaltung. Ich denke, dass wir bei der aktuellen Entwicklung in fünf bis zehn Jahren ausgereifte Schulcurricula haben werden. In den Provinzen, in denen BEPA aktiv ist, können wir bei Lehrkräften, die an den Workshops teilgenommen haben, klare Verbesserungen im Unterrichtsstil beobachten.

Das Fach Friedenserziehung wurde mithilfe der GIZ in den Lehrplan für Lehrerinnen und Lehrer aufgenommen. Worum geht es da?
Ich erinnere mich an Grundschullehrbücher, in denen Sätze wie „Ahmad hat ein Maschinengewehr“ standen, mit denen Kinder lesen lernten. Wir sind mit Krieg aufgewachsen, er ist zu einer Gewohnheit geworden. Deshalb ist es äußerst wichtig, durch moderne Lehrbücher Gegenakzente zu setzen. Im Fach Friedenserziehung geht es etwa um die Frage „Wie könnte Frieden aussehen und was für ein Leben hätten wir damit?“. Wenn die Lehrerinnen und Lehrer erstmal ein Verständnis für Frieden entwickeln, dann wird bald eine ganze Generation afghanischer Kinder über Frieden lernen. Ich bin zuversichtlich, dass sich so früher oder später die Mentalität ändern wird. Schließlich wurzelt meiner Meinung nach Extremismus – etwa wenn Taliban im Land Schulen anzünden – auch in mangelnder Bildung. Denn, wie könnte jemand, der gelernt hat, sein Land zu lieben, sonst so etwas tun?

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Gender und Menschenrechte. Wie wird dieser konkret vermittelt?
Im Wahlfach Gender und Menschenrechte lernen die angehenden Lehrerinnen und Lehrer, wie wichtig es ist, Männer und Frauen beruflich gleichzustellen. Hier hat Afghanistan noch einen langen Weg vor sich. Doch allmählicher Fortschritt lässt sich beispielsweise an der Tatsache festmachen, dass die Leiterin des Lehrerbildungsinstituts in Faizabad heute eine Frau ist. Das wäre vor Jahren noch undenkbar gewesen.

Februar 2020